SCHÖNER AUSFLUG IN DIE SCHWEIZ: DIE HEIDELBERGER HÜTTE

Um diese Hütte zu erreichen, muss man die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz überschreiten. Kontrolliert wird man freilich höchstens von ein paar neugierigen Rindern oder Pferden. Teil 3 der Trisanna-Serie über Paznauner Hütten. Heute: Die Heidelberger Hütte und ihre Legenden.

Diese Hütte hat eine ganz besondere Geschichte. Nicht nur, dass sie im hinteren Fimba auf 2264 Meter Höhe liegt und die einzige Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins ist, die sich auf Schweizer Boden befindet. Die Hütte der Sektion Heidelberg gehört zur politischen Gemeinde Valsot, wird aber von Ischgl aus bewirtschaftet, derzeit vom Hüttenwirten Alois Eiter.

Darüber hinaus hat sie eine lange Geschichte zu erzählen. Bereits 1889 wurde die Heidelberger Hütte in ihrer ersten Gestalt erbaut, wie auf diesem Bild von der ETH-Zürich zu sehen ist.

Die Heidelberger Hütte 1890

Die ersten Hüttenwirte waren die Geschwister Heinrich und Hirlanda Kurz. Sie bewirtschafteten die Heidelberger Hütte von 1901 bis 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Berühmt wurde der Bergführer Heinrich Kurz, der auf seinen Skiern ein Meister der Einstocktechnik war und die Strecke von der Idalpe nach Ischgl in zwölf Minuten bewältigte.

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm der Bergführer Alfons Ganahl die Hütte, 1922 wurde er von seinem Kollegen Eugen Zangerl vulgo „Wippas“ abgelöst, der bis 1939 auf der Hütte lebte, leidlich zufrieden war und nur hie und da sehnsüchtige Briefe an den Hüttenwart der Sektion Heidelberg schrieb: „Gesundheitlich gehts mir passabel, aber hie und da eine Frau wäre halt doch gut, wenns nur nicht auf lebenslänglich wäre! Meine Eisen im Feuer sind jedenfalls gerade so wenig glühend wie die Deinigen. Auf der Hütte habe ich soviel zu tun, dass ich reichlich Zeit hatte, über derartige Angelegenheiten nachzudenken…“

Der vielleicht legendärste Hüttenwirt auf der Heidelberger Hütte war aber der Bergführer und spätere Seilbahnpionier Erwin Aloys, der von seinen Freunden „Annamarieler“ genannt wurde. Ihm werden zahlreiche Auseinandersetzungen mit dem Zoll nachgesagt, wie diese Anekdote weiss:

„Eines frühen Morgens fuhr der Hüttenwirt mit dem Müll ins Tal. Bei der Oberen Pardatschkapelle stoppten ihn zwei Zöllner zur Fahrzeugkontrolle. Geistesgegenwärtig stieg Erwin aus seinem Jeep, trat vor das Fahrzeug, kniete sich nieder und küsst die Erde, machte drei Kreuzzeichen, streckte die Arme zum Himmel und schrie so laut er konnte:
„Lieber Herrgott, steig herab und erleuchte diesen zwei Finanzern den Verstand, denn die wissen nicht, was sie tun.“
Die Zollbeamten überkam ein Lachen und sie gingen zur Rückseite des Fahrzeuges. Darauf hin sprang Erwin auf, wie ein Blitz war er im Fahrzeug und brauste davon…“

Nach Erwin Aloys übernahm Emil Zangerl die Heidelberger Hütte und arbeitete lange 28 Jahre als Hüttenwirt. Nach den Familien Salner und Huber hat nun Alois Eiter die Hütte übernommen.

Von Ischgl dauert der Aufstieg über das Bodenalpenhaus vier Stunden. Von Galtür führt der Weg durch das Lareintal über das Ritzenjoch, etwa fünf Stunden lang. Die beliebtesten Ziele von der Hütte aus sind die Heidelberger Spitze (2963 m, 2 bis 3 Stunden), die Gemsbleisspitze (3014 m, 3 Stunden) – und natürlich der Berg, der dem ganzen Massiv seinen Stempel aufdrückt: das Fluchthorn (3399 m, 4 bis 5 Stunden).

Illustration: Tim MÖller-Kaya