DER TAG, ALS ALLES AUF DEM SPIEL STAND

Am 16. März 1963 passiert in Ischgl, was niemals hätte passieren dürfen. Die brandneue Silvrettaseilbahn geht in Probebetrieb. Beamte des Bundesministeriums für Verkehr sind vor Ort, um die brandneue Anlage, an der die Zukunft des Tourismus im Paznaun hängt, technisch zu überprüfen und abzunehmen. Aber dann ereignet sich die Katastrophe.

Die Vorbereitungsarbeiten haben lang gedauert und die neu gegründete Silvrettaseilbahn AG an den Rand ihrer Möglichkeiten gebracht. Der ganze Sommer 1962 stand im Zeichen des Aufbaus der Gondelbahn auf die Idalpe. Trisanna hat die schwierige Geschichte hier zusammengefasst.

Ausgerechnet am Tag der technischen Überprüfung kommt es zu einem folgenreichen Zwischenfall: Durch einen Seilüberschlag reißt das Tragseil der Silvrettabahn. Die elegante, frisch lackierte Gondel, in der sich der Gondelführer Johann Zangerl befindet, stürzt aus mehr als zwanzig Meter Höhe auf den Boden und zerschellt. Zangerl wird schwer verletzt. Der Unglücksort ist vom Dorf Ischgl aus mit freiem Auge zu sehen.

An anderen Orten hätte der Unfall vielleicht das Ende aller touristischen Ambitionen bedeutet. Nicht in Ischgl. Zwar geriet die Silvrettaseilbahn AG in ökonomische Schieflage. Sie musste nicht nur die hohen Investitionen aufbringen, die bis dato angefallen waren, sondern sozusagen zurück zum Start. Die Reserven waren aufgebraucht, und viele sahen den Traum vom florierenden Tourismus im Paznaun bereits zerplatzen.

In dieser Situation machte sich die spezielle Konstellation bezahlt, in der die Seilbahngesellschaft gegründet worden war. Sie gehörte den Ischglern selbst. Kein Investor von außen, kein reicher Seilbahnmagnat stand hinter dem Projekt, sondern die Dorfgemeinschaft selbst. Auch wenn die Nerven längst blank lagen.

Gerade in dieser belastenden Situation rücken die Ischgler noch enger zusammen. Es ist Tourismuspionier Erwin Aloys, der entschlossen vorangeht und seine Mitstreiter motiviert, jetzt nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Nur unter Mobilisierung aller Kräfte ist es möglich, dass die Silvrettabahn über den Sommer wieder betriebsfertig gemacht wird.

Die Anstrengungen lohnen sich. Am 15. Dezember 1963 kann die Seilbahn, allen Widrigkeiten zum Trotz,  endgültig in Betrieb gehen . Eine Woche später nimmt auch der Idjochlift seinen Betrieb auf. Die Zukunft im Paznaun kann beginnen – mit Narben, aber verheißungsvoll.

Der Rest der Geschichte ist Legende. Aber auch der Weg dorthin verdient es, dass wir uns an ihn erinnern.