AUF BREITEN REIFEN RUNTERKOMMEN

Fahrräder und Schnee haben lange sowenig zusammen gepasst wie Heiße Schokolade und Sonnenuntergänge. Seit es Fatbikes gibt, geht’s aber auch im Winter auf zwei Rädern auf den Berg – vor allem aber runter.

 

Ist das etwa ein ultraschlankes Motorrad? Ein Mountainbike, bei dem jemand zu viel Luft in die Reifen gepumpt hat? Ist da vielleicht doch irgendwo noch ein kleiner Elektromotor versteckt? Die Fatbikes, die Heinz Peer an diesem Montag Morgen von seinem Anhänger hebt, sehen etwas gewöhnungsbedürftig aus. Es gibt sie zwar schon seit ein paar Jahren, bei der breiten Masse sind die Räder, mit denen es sich auch über Schnee und Schlamm fahren lässt, aber noch nicht angekommen. Fahrradfahren ist gerade am Berg im Winter noch eher etwas für Spezialisten.


Einer dieser Freaks ist Heinz. Gemeinsam mit seiner Frau Renate betreibt der gebürtige Steirer in Ischgl die Bikeacademy. Den ganzen Sommer über leiten sie Mountainbiker durch die Berge des Paznaun, zeigen ihnen Trails und Wege, öffnen ihnen die Augen für die Natur und geben ihnen technische Tipps, wie sie schnell, aber sicher wieder ins Tal kommen.

Ein paar Tritte in die Pedale, ein bisschen Rutschen, ein, zwei Mal verbremsen und die Balance testen, und schon ist man mit dem unförmigen Ding vertraut.

Seit dieser Saison sind sie auch im Winter aktiv. Immer Montags, wenn in Kappl die Seilbahnen schon um acht loslegen, werden jetzt neben Skiern mit Hilfe einer Holzleiste auch diese seltsam aussehenden Sportgeräte auf den Berg gefahren. Man muss ganz schön antauchen, um überhaupt aufsteigen zu können – zumindest wenn man die 16 Kilo, die so ein Rad wiegt, nicht einfach so stemmt. Dann hält sich das Rad aber auch am Schnee sehr stabil. Geht es bergab, steht man, wie beim Mountainbiken auch. Ein paar Tritte in die Pedale, ein bisschen Rutschen, ein, zwei Mal verbremsen und die Balance testen, und schon ist man mit dem unförmigen Ding vertraut.

Hat man sich erst einmal überwunden und ein bisschen Vertrauen gefasst, kann man die Fahrt über den Schnee schnell genießen.

Immer montags führt Heinz jetzt Gruppen die Rodelbahn in Kappl hinab, Kehre für Kehre, Gleitstück nach Gleitstück. Erst vorsichtig, dann immer schneller und das mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sich das Rad bei höherer Geschwindkeit leichter halten lässt. Das bringt auch Anfänger nicht gleich ins Schwitzen, weder sportlich, noch was die Ängstlichkeit betrifft. Hat man sich erst einmal überwunden und ein bisschen Vertrauen gefasst, kann man die Fahrt über den Schnee schnell genießen.

Das sollte man auch, weil es dann, beim zweiten Teil der Tour, auf den Wanderwegen der gegenüberliegenden Talseite auch ganz schön steil bergauf gehen wird. Fortgeschrittene Fatbiker oder geübte Mountainbiker können darüber noch lachen. Für sie stehen andere, viel herausforderndere Touren auf dem Programm. Auch individuelle Programme stellt das Ehepaar Peer zusammen. Denn wenn der Schnee griffig genug ist, lässt sich das Fatbike querfeldein durch den Winterwald lenken.