AUF DER SUCHE NACH DEN HÜHNEREIERN

Das Paznaun ist eine historische Gegend, voller wilder Geschichten über clevere Menschen, vorausschauende Handlungen, gute und böse Gestalten. Zumindest in den Sagen. Heute eine Sage über Hühner, die ihre Eier verstecken.

In Kappl lebte vor unbestimmter Zeit eine Bäuerin, auf einem kleinen Hof.  Eines Tages wollte Paulina – das war nämlich ihr Name – die Eier aus dem Stall holen. So wie jeden Morgen. Aber als sie  in den Stall kam, waren keine Eier da. Die Hühner hatten alle “verlegt”.

Leider hatte die Bäuerin nur noch ein Ei im Haus. Ausgerechnet in diesem Moment kam ein Bettler vorbei. Er sagte: ” Frau, bittschön um a Oali!”. Pauline dachte kurz nach und kam dann zu dem Schluss, dass es auf das eine Ei nun auch nicht ankam. Also übergab sie dem Mann das Ei und der zog glücklich weiter.

„Das ist der Segen, wenn man mit Nebenmenschen auch recht ist“

Eine kleine, aber feine Weisheit.
Als die Schule im Ort zu Ende war, stürmten die Kinder aus den Türen und in den Garten der Bäuerin. Die Kinder veranstalteten eine große Eiersuche und schwupps – fanden sie über vierzig Eier im Stall.

„Das ist der Segen, wenn man mit Nebenmenschen auch recht ist“ Sagte die Frau. Und tja, was sollen wir sagen – es stimmt.

Foto: Vorarlberger Landesbibliothek, Sammlung Risch-Lau