Crew for you

Ischgl ist besonders. Das gilt nicht nur für Urlauber, sondern auch für die Paznauner – und alle, die hier arbeiten. Seit dieser Saison bekommen alle Mitarbeiter nämlich die Ischgl Crew Card und damit jede Menge spezielle Freizeit- und Weiterbildungsangebote. Wir haben mit Daniela Wolf und Werner Aloys darüber gesprochen. 

Für Touristen attraktiv sein – das ist eine Herausforderung, die Ischgl seit vielen Jahren ziemlich erfolgreich meistert. Fast genauso wichtig ist es aber, die richtigen Mitarbeiter zu bekommen, denn nur mit guten Mitarbeitern kann man den Gästen als Tourismusdestination einen guten Urlaub ermöglichen und sie so zu Stammgästen machen.

„Das Werben um die richtigen Mitarbeiter wird in unserer Branche immer wichtiger“, sagt deswegen Werner Aloys vom Hotel Tirol. Seit einiger Zeit gibt es im TVB eine Arbeitsgruppe, die die Mitarbeiteraquise auf neue Beine stellen soll. Aloys ist der Leiter dieser Arbeitsgruppe, in der auch Daniela Wolf vom Hotel Post dabei ist, und seit dieser Saison sind die ersten Ergebnisse dieser Gruppe sichtbar. Sie heißen Ischgl Crew Card und Ischgl Crew Book – und sie bringen nicht nur wissenswerte Informationen für alle Mitarbeiter, sondern auch jede Menge Ermäßigungen, von billigeren Menüs und Drinks in Restaurants bis hin zu Gratis-Skikursen.

Was das bringt?

Für Aloys ist das ganz offensichtlich. „Wir müssen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern als Destination auftreten und nicht als einzelner Betrieb. Die zukünftigen Mitarbeiter überlegen nämlich auch zunächst, in welcher Destination sie arbeiten wollen, Ischgl ist da im Wettbewerb mit vielen anderen Regionen. Und erst dann, wenn klar ist, wo sie hin wollen, dann entscheiden sie sich, in welchen Betrieb sie gehen.“

Ischgl sollte also in diesem internationalen Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte im Tourismus weit vorne sein. Und das schafft man mit speziellen Angeboten. Als erste Amtshandlung hat die Arbeitsgruppe im TVB sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in den Ischgler Tourismusbetrieben befragt, was ihrer Meinung nach die Zufriedenheit mit der Destination ausmacht. Das etwas überraschende Ergebnis, so Aloys: „Es geht den Mitarbeitern gar nicht so sehr um das Gehalt, da sind nicht mehr so große Unterschiede. Es geht um das Freizeitangebot, um die Lebensqualität neben der Arbeit.“

Und genau darauf setzt die sogenannte Ischgl Crew Card. Mit dieser Card, die alle Mitarbeiter beim Tourismusverband bekommen, gibt es zunächst einmal zahlreiche Ermäßigungen. Es gibt Sonderpreise in einigen Restaurants, manche Bars geben vergünstigte Getränke ab, es gibt Ermäßigungen beim Skiverleih und bei diversen anderen Freizeiteinrichtungen. Auch die Saisonkarte der Seilbahn ist massiv billiger als für Nicht-Mitarbeiter. 

Das, was die Ischgl Crew Card so spannend macht, ist aber, dass sie laut Aloys den Mitarbeitern den Ort, in dem sie arbeiten, näher bringen soll. Besonders freut er sich zum Beispiel, dass die Skischule Ischgl den Inhabern der Crew Card einen Gruppenskikurs anbietet – gratis. Und dass die SSAG alle Mitglieder der Crew Card zumindest einmal auf die Idalp transportiert.

Aloys: „Ich finde es gut, dass die Menschen, die bei uns arbeiten, wissen, womit der Ort sein Geld verdient. Sie sollen verstehen, was der Reiz von Ischgl ist, wie aufregend Skifahren und die Berge sind. Dann verstehen sie auch die Gäste besser.“

#Gerade die Gratis-Skikurse, erzählt Aloys, werden von den Mitarbeitern sehr gut angenommen, und er hofft, dass der eine oder andere Mitarbeiter sich dadurch stärker in den Ort verliebt, und in den nächsten Saisonen wiederkommt.

Daneben setzt die Arbeitsgruppe im TVB aber noch auf eine Reihe weiterer Maßnahmen, die Ischgl für potentielle Arbeitnehmer attraktiv machen soll. Alle Crew-Members sind über Social Media vernetzt, sie werden tagesaktuell über Aktionen informiert – und es ist für Crew-Members tatsächlich täglich etwas los. Neben den Skikursen gibt es spezielle Yoga-Stunden, es gibt geführte Schneeschuhwanderungen oder formlose Treffen. Beim TVB gibt es mittlerweile eine eigene Mitarbeiterin, die sich um die Mitarbeiter der Partnerbetriebe kümmert. Aloys: „Wir nennen sie nur die Kümmerin.“

Für den Hotelier ist damit aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Aloys möchte über die Ischgl Crew Card verstärkt Schulungen anbieten, neben Sprachkursen denkt er auch an ganz spezielle Weiterbildungsangebote: „Wir haben hier Spitzenköche, wir haben Spitzensommeliers. Warum sollten wir diese nicht mit den anderen Mitarbeitern zusammenbringen und uns darum kümmern, dass es eigene Koch- oder Sommelierkurse für Interessierte gibt? Es gibt in Ischgl ein gewaltiges Potential – man muss es nur ausschöpfen.“

Auf diese Weise soll sich Ischgl nicht nur für Gäste, sondern auch für Mitarbeiter einen Namen in ganz Europa machen, denn das ist laut Aloys enorm wichtig. Und es muss mit enormem Aufwand betrieben werden, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein: „In den kommenden Jahren muss man um Mitarbeiter wahrscheinlich genauso intensiv werben wie um Gäste.“ 

Die Crew-Card ist da nur ein Anfang. 

Foto: Niko Havranek