DAS SKIGEBIET, DAS AUCH STROM ERZEUGT

Das Skigebiet in See ist übersichtlich, beliebt bei Familien und Genußskifahrern – und innovativ. Hier wird nämlich nicht nur Schnee, sondern auch der nötige Strom dafür erzeugt. Und mehr. Trisanna-Report von einer Zukunftsstation.

Das Skigebiet See liegt am Eingang des Paznaun. Es verfügt über 41 Pistenkilometer, acht Kilometer blau, acht schwarz und 25 rot. Die Lifte führen hinauf auf 2450 Meter. Und das Skigebiet hat eine Besonderheit, die es auszeichnet: Es produziert den Strom für den Unterhalt sämtlicher Anlagen selbst. Entlang der Talabfahrt befinden sich Kraftwerkshäuser und Pumpstationen der innovativen Anlage.

Bereits im Jahr 2008 investierten die Bergbahnen rund 5,5 Millionen Euro, um eine Kombination aus Beschneiungsanlage und Kraftwerk zu errichten. Die Anlage besteht aus drei Maschinenhäusern. In der Pumpstation Medrigjoch sind vier Hochdruckpumpen untergebracht, die eine Gesamtpumpenleistung von 1100 Kilowatt erzeugen. Die Oberstufe ist mit zwei Hochdruckpumpen ausgerüstet, die Unterstufe mit einer Kompressorstation und einer Wasserkraftanlage, die maximal 2000 Kilowatt erzeugen kann.


Dazu kommen der Wasserfassungen mit Entsandungsanlagen, 11.700 Meter Druckrohrleitungen und, unter anderem, 25 Kilometer Erdkabel. Die Beschneiungsanlagen umfassen etwa achtzig Propellermaschinen und vierzig Schneelanzen.

Der Idee lag folgendes Prinzip zugrunde: Das Wasser der zahlreichen Bergbäche des Ortes wird in drei Fassungen, wie die großen Becken heißen, gesammelt. Dieses Wasser wird je nach Bedarf entweder in die Beschneiungsanlage gepumpt oder es betreibt die beiden Wasserturbinen zur Stromerzeugung.


So logisch das klingt, so komplex gestaltete sich die Umsetzung. Denn das Einzigartige an der Anlage in See ist nicht allein die Stromerzeugung. Die gibt es in anderen Skigebieten auch. Das Spezielle ist die „Kombination aus Beschneiungsanlage und Stromproduktion“, erklärt Geschäftsführer Herbert Zangerl.

Die Energiebilanz: Die Bergbahnen See verbrauchen pro Jahr 1,5 Gigawattstunden Strom für Lifte und Beschneiung. Dazu kommen 10.000 Liter Diesel für die Pistenpräparierung, 25.000 Liter Gas und 5000 Liter Heizöl für die Heizung der Restaurants.

Mit dem Kraftwerk produziert das Skigebiet See jährlich elf Gigawattstunden Strom. Im Sommer mehr, im Winter weniger, da das Wasser im Winter auch für die Beschneiung gebraucht wird – wenn nicht ein schneereicher Winter wie dieser diese Aufgabe selbst übernimmt. Insgesamt entsteht auf diese Weise etwa viermal soviel Strom, wie er für den Betrieb des Skigebiets See benötigt wird.

Frage an den Geschäftsführer: Ist das Kraftwerk für die Bergbahnen – ganz abgesehen von den positiven ökologischen und logistischen Auswirkungen –auch ein ökonomisches Geschäft?

Kurze, klare Antwort: „Ja.“