DAS WASSER, DAS VON DER HÖHE KOMMT

Sobald es wärmer wird, schmilzt der Schnee und das Wasser fließt ins Tal. Das Rauschen der Bäche ist oft beeindruckend. Doch der große Abfluss kann weitreichende Folgen haben. 

Das Wort Schneeschmelze zählt sicher nicht zu den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Es klingt sperrig und hölzern, es klingt nach etwas, das unfassbar anstrengend ist. Dabei versteht man darunter einfach nur, dass sich Schnee im Frühling wieder in Wasser verwandelt. Je nachdem, wie das passiert, kann das aber weitreichende Folgen haben. 

Im Hochgebirge dauert es bis Mitte Juni, bis der Schnee schmilzt. In tieferen Lagen geht es oft schon im März und April rund. Der Klimawandel bedingt aber, dass sich das alles ein bisschen nach vorne verlagern wird. Und dass die Gletscher dadurch noch schneller zurückgehen könnten, als sie das jetzt schon tun. 

Damit sich Gletscher auch unterhalb der absoluten Gipfel halten können, brauchen sie quasi Nachschub von oben. Sie brauchen das Eiswasser, das oben abrinnt, damit sie nicht ganz allein der Sonne und den Temperaturen ausgesetzt sind. Kommt die Schneeschmelze früher, setzt der Nachschub früher aus. Die Gletscher können noch schneller verschwinden. 

Dass der Schnee überhaupt schmilzt, ist allerdings weniger trivial, als man zunächst glaubt. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich die Schneedecke auf null Grad erwärmt. Das erfolgt über zwei Seiten: Von oben wirkt die durch die Sonne wärmere Luft,  von unten dringt die Temperatur der tieferen Bodenschichten nach oben. Und sobald Schnee schmilzt, wird die Schneedecke dunkler. Sie schmilzt dann umso schneller, weil sie mehr Licht aufnimmt und weniger spiegelt. 

Wenn es plötzlicher sehr schnell wärmer wird, kommt auf einmal sehr viel Wasser in Bewegung. Manchmal so viel, dass es der Boden nicht aufnehmen kann. Dann kann es zu Hochwassern kommen, an denen aber selten allein die Schneeschmelze allein Schuld trägt. Es zeichnet sich ab, dass die Schneeschmelze durch den Klimawandel unregelmäßiger wird. Die Wasserstände in alpinen Gebieten könnten in Zukunft stark schwanken. Wenn es auch im Winter stellenweise so warm ist und dann auch noch regnet, wird Wasser abrinnen, das im Frühling, im Sommer vielleicht fehlt.