DEMNÄCHST IST LOSTAG IM PAZNAUN. NUR WAS FÜR EINER?

Die Landwirtschaft im Paznaun hatte lange ein starres Konzept. Gewisse Tätigkeiten hatten an gewissen Tagen zu erfolgen. Jetzt steht „Galli“ vor der Tür. Und TRISANNA weiß, was das bedeutet. 

Es nähert sich mit großen Schritten der Tag, der im Paznaun den Namen „Galli“ trägt: der 16. Oktober. Das ist traditionell der letzte Tag, an dem das Jungvieh im Wald „auf der Road“ gehütet wurde. Ab diesem Tag durfte jedermann wieder über Wiesen und Äcker gehen, und im Garten wurden die „Gallwurzeln“ ausgegraben: die Wurzeln jener Pflanzen, die den Rindern, wenn sie das Fressen verweigerten, zur Blutreinigung verabreicht wurden.

Man nennt diese Methode zur Behandlung von Kühen im Paznaun „gallna“: Entweder wurden Gallwurzeln mit einem Faden zusammengebunden und in eine geöffnete Ritze unterhalb des Halses gesteckt und nach 24 Stunden herausgezogen. Bei der anderen gab man die Gallwurzeln in ein rohes Ei, welches man der Kuh dann einflößte. Letztere Methode sei die wirksamere gewesen …

Der 16. Oktober ist ein sogenannter Lostag. Als Lostag gelten feststehende Tage im Heiligenkalender des Kirchenjahrs. Die Lostage fassten die Erfahrungen der Altvorderen zusammen und gaben dem Jahresablauf Struktur. Wer nicht genau Beschied wusste, wann es in der Landwirtschaft gewisse Tätigkeiten zu vollziehen galt, musste sich nur an die Lostage halten. Lostage trafen Vorhersagen über die Wetterverhältnisse der folgenden Wochen und waren für verschiedene landwirtschaftliche Arbeiten von Bedeutung.

Am Karfreitag zum Beispiel wurden die Lämmer und Kitze „gemarcht“, markiert. Angeblich sollten Ohrenschnitte, die später erfolgen, nicht mehr zuwachsen.

Ab „Jörgi“, dem 23. April, durfte niemand mehr über die Wiesen und Äcker der Nachbarn gehen. Weder Schafe noch Ziegen durften auf den Kuhweiden gehütet werden. „Z’JörgI“ war nämlich die Vegetation so weit fortgeschritten (wenigstens meistens), dass in den Wiesen die Kuh weiden konnte und dabei satt wurde.

Ab dem „Veitstag“, dem 15. Juni, durften die Ziegen nicht mehr auf Bergweiden getrieben werden. Sie mussten „ins Joch“, auf die Sommerweiden, die oberhalb der Kuhweiden ab etwa 2400 Meter lagen.

Am Herz-Jesu-Sonntag und dem Hohen Frauentag stand ein Wirtshausbesuch der gesamten Familie auf dem Programm. In der Regel war das der einzige Tag im Jahr, an dem sich Frauen und Kinder im Wirtshaus sehen lassen durften.

Zu „Jakobi“ am 25. Juli begann traditionell die Heuarbeit auf den Bergwiesen

Am St. Mathäus-Abend, dem 20. September, fand der Almabtrieb der Kühe statt. Wenn es nicht schon vorher geschneit hatte.

Zu „Michaeli“, dem 29. September, musste das Jungvieh und die Schafe von der Alp abgetrieben sein.

Nach dem ersten Samstag im Oktober, dem „Rosenkranztag“, durften keine Kühe „auf der Road“ im Wald mehr gehütet werden.

Und dann steht auch schon „Galli“ auf dem Programm.