DER MANN, SEIN MOTORRAD, UND DIE KURVEN DES PAZNAUN

Luggi Salner fährt seit fast 50 Jahren Motorrad. Er kennt das Paznaun, er kennt alle Kurven und er kennt die Motorradfahrer. Über einen Mann mit einer großen Leidenschaft: zwei Räder.

Sagen wir es so: Man sollte immer auch seinen Kopf dabei haben“, sagt Luggi Salner, und er meint das Motorradfahren. Seit 50 Jahren ist das seine liebste Art, sich fortzubewegen, seit 1981 betreibt er in Galtür das Hotel Luggi, das sich ganz auf Motorradfahrer spezialisiert hat. Gäste, die mit zwei statt vier Rädern anreisen, haben schließlich andere Bedürfnisse als jene, die im Sommer zum Wandern kommen, sagt Hotelier.

Man glaubt ihm sofort, dass er weiß wovon er spricht: Seine weißen Haare hat er im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, zu den Blue Jeans trägt er ein schwarzes Ledergilet. Amerikanischer Country Sänger? Biker? Vielleicht sogar beides? All das fragt man sich, wenn man den Hotelier mit den spitzbübischen blauen Augen zum ersten Mal sieht. „Die schönste Musik für mich ist das Geräusch der Motoren“, stellt Luggi Salner, der eigentlich Ludwig heißt, klar.

„Die schönste Musik für mich ist das Geräusch der Motoren“

Seit 50 Jahren fährt er Motorrad, seit vier Jahren eine Honda Gold Wing. „Da kann man drin liegen, das schont den Rücken“, sagt er, „aber mit 1.800 Kubik hat sie auch ordentlich Schub“.  Sie, die Maschine, ist das, worum es beim Motorradfahren immer auch geht. Und sie hat sich gewandelt in den vergangenen Jahren. Sie ist immer stärker geworden, das ist die eine Seite. Wie beim Auto ist es dabei aber nicht mehr ganz so einfach, sie selbst zu reparieren. Oder, wie Salner es ausdrückt: „Heute hat man nicht mehr so oft schwarze Finger.“

Bevor der Galtürer zum Motorrad-Hotelier wurde, der seinen Gästen auf Touren von bis zu 400 Kilometern am Tag die schönsten Strecken der Alpen zeigt, war Luggi Salner Förster. Dann sah er die wirtschaftliche Chance – und auch ihren angenehmen Nebeneffekt. „Unter Motorradfahrern ist man sofort per Du, man versteht sich, tagsüber fährt man herum und am Abend trinkt man ein Bier“, sagt Salner. In der Bar in Luggis Hotel bestätigt man das mit einem kollektiven „Prost“.

„Unter Motorradfahrern ist man sofort per Du, man versteht sich, tagsüber fährt man herum und am Abend trinkt man ein Bier“

Das Kumpelhafte, diese Verbundenheit, das sind die Dinge, die sich nicht geändert haben, sagt Luggi Salner. Rundherum hat sich aber schon einiges getan, seit er zum ersten Mal auf zwei Rädern saß und den Motor startete. Wo früher ein schmaler Schotterweg war, ist heute eine perfekt ausgebaute, zweispurige Asphaltstraße. Die Regeln sind strenger, die Kontrollen häufiger. „Für Motorradfahrer ist es trotzdem oft gefährlich, weil sie etwa beim Überholen nicht gleich gesehen werden“, sagt Luggi Salner. Und viel mehr Frauen sitzen heute selbst am Steuer und nicht nur hinten drauf. „Es gibt übrigens keine Geschlechterunterschiede beim Motorradfahren. Es gibt Frauen, die wahnsinnig schnell fahren, und Frauen, die es lieber gemütlicher haben“, sagt Luggi Salner.

Er selbst fährt immer noch auch zum Vergnügen. Er will immer noch etwas entdecken, etwas sehen beim Motorradfahren. Auch deshalb gilt für ihn: „Immer auch den Kopf dabei haben“.