DER SCHMUGGLER: GESCHICHTEN VON EMIL ZANGERL (3)

Emil Zangerl, 85, ist das Gesicht der Paznauner Schmuggler-Vergangenheit. Mehre Jahrzehnte hat er Waren von der Schweiz ins Tal geschmuggelt. Auch auf Ski, und meistens dann, wenn es ganz dunkel war. In Trisanna erzählt er seine besten Geschichten. Heute: Der Trick des Mannes im Gföllhaus.

Fotos: Niko Havranek

„Wir hatten gegenüber den Zöllnern eine großen Vorteil: Wir konnten einfach viel besser Skifahren. Während sie sich oft einige Strecken nicht runter getraut haben, sind wir eigentlich überall gut ins Tal gekommen. Unten im alten Gföllhaus hat damals ein alter, uriger Mann gewohnt. Der war so eine Art Zwischenstation und hat auch seine Abnehmer gehabt. Und er hatte einen ganz guten Trick, wie er die Waren weitergebracht hat.

Es gab dort nämlich ein paar Frauen, die mitgemacht haben. Sie haben so getan, als wären sie schwanger und haben sich die Waren, zum Beispiel Zigaretten, einfach um den Bauch gebunden, damit sie nicht erwischt werden. Bei uns hat der Mann meistens Kaffee und Zucker bestellt.

Die Frauen waren überhaupt ein wichtiger Faktor bei der Schmuggelei. Unsere Frauen und die der Zöllner haben sich öfter zum Stricken getroffen. Dabei haben sie versucht herauszufinden, welcher Zöllner wann Dienst hat. Dann wusste man, ob am nächsten Tag etwas geht – oder ob man es lieber bleiben lässt.“

Weitere interessante Anekdoten aus Emils Schmuggler-Vergangenheit gibt es demnächst hier im Trisanna-Magazin. 


Über Jahrhunderte haben die Paznauner ihre Waren in Notzeiten ins schweizerische Samnaun gebracht und dort gegen andere Waren eingetauscht. Aber sie mussten auf der Hut sein: Es war nämlich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Zöllnern. Dort, wo früher geschmuggelt wurde, gibt es heute übrigens drei grenzüberschreitende Skirunden.

Möchten Sie Emil Zangerls Weg in die Schweiz nacherleben? Dann hier entlang: Die Schmugglerrunde.