DER SCHMUGGLER. GESCHICHTEN VON EMIL ZANGERL (TEIL 2)

Emil Zangerl, 85, ist das Gesicht der Paznauner Schmuggler-Vergangenheit. Jahrzehnte lang hat er Waren von der Schweiz ins Tal geschmuggelt. Auch auf Ski, und meistens dann, wenn es ganz dunkel war. In Trisanna erzählt er seine besten Geschichten. Heute: Verräterische Strumpfhosen.

Fotos: Niko Havranek

„Wenn wir rüber nach Samnaun sind, haben wir nicht nur Lebensmittel mitgenommen, die es bei uns nicht gab. Also Kaffee und Sacharin. Weil irgendwann sind die jungen Frauen bei uns im Dorf auch dahinter gekommen, dass es drüben in der Schweiz schöne Strümpfe gibt. Es waren ganz besondere – sie hatten nämlich eine schwarze Ferse und eine schwarze Naht. Das hat man damals bei uns noch nicht gekannt.

Eine von den Frauen, die ich damals besucht habe, hat im selben Haus gewohnt wie einige Zöllner. Und die haben ihr dann natürlich Fragen gestellt: „Wo hast du denn die schönen Strümpfe her?“ Und: „Wer bringt dir denn die Strümpfe?“ Sie hat natürlich nichts verraten und nur geantwortet, dass das Geschenke von einem Mann aus Deutschland sind.

Konnte man diese besonderen Strümpfe besorgen, hat man bei den Frauen schon ordentlich Eindruck schinden können. Das hat uns Spaß gemacht. Und ob wir vier, fünf Packungen Strümpfe mehr im Gepäck hatten – darauf ist es auch nicht mehr angekommen.

Weitere interessante Anekdoten aus Emils Schmuggler-Vergangenheit gibt es demnächst hier im Trisanna-Magazin. 


Über Jahrhunderte haben die Paznauner ihre Waren in Notzeiten ins schweizerische Samnaun gebracht und dort gegen andere Waren eingetauscht. Aber sie mussten auf der Hut sein: Es war nämlich ein Katz-und-Maus-spielen mit den Zöllnern. Dort, wo früher geschmuggelt wurde, gibt es heute übrigens drei grenzüberschreitende Skirunden.

Möchten Sie Emil Zangerls Weg in die Schweiz nachgehen? Dann hier entlang: Die Schmugglerrunde.