Der silberne Löffel von Kappl

Das Paznaun ist eine richtig blutrünstige Ecke – also das Paznaun, so wie es in Sagen aus der Region vorkommt. Das ist sogar zu Weihnachten so. Folge 2: Die Sage über ein Geschenk, das zu Weihnachten beinahe eine Familie auseinander gerissen hätte.

Im Kappler Ortsteil Langesthei lebte vor unbestimmter Zeit der Simas Andrä. Der junge Mann war Maurer und arbeitete in den Sommern in Ungarn. Dort lernte er eine schöne junge Frau kennen, mit der er viel Zeit verbrachte. Natürlich kam es, wie es kommen musste – die beiden verliebten sich.

Nur war ihre Liebe hoffnungslos, denn der Simas Andrä musste im Spätherbst wieder zu seiner Mutter und seinem Bruder ins Paznaun zurückkehren. Zum Abschied schenkte ihm seine Geliebte einen silbernen Löffel, der ihn immer an sie erinnern sollte.

Zuhause erzählte Andrä zunächst weder von seiner Liebe noch von dem Geschenk, dass er von ihr bekommen hatte. Erst zu Weihnachten, als seine Mutter die Festtagssuppe servierte, holte er den Löffel, um mit ihm zu essen. Und erzählte, woher das edle Besteck kam.

Seine misstrauische Mutter riet ihrem Sohn, nicht selbst mit dem Löffel zu essen, sondern ihn erst einmal an ihrem Hund zu testen. Also fütterte Andrä das Tier damit, das daraufhin unruhig wurde und schließlich wie wild aus dem Haus stürzte und davonlief. Wohin? Nach Ungarn zu Andräs Geliebter. Die wollte nämlich nicht auf die nächste Saison warten und Andrä mithilfe des Silberlöffels zu sich holen.