DER TAG, ALS IN ISCHGL DIE ZUKUNFT BEGANN

Am 15. Dezember 1963 begann in Ischgl die Zukunft: Die Silvretta- Seilbahn wurde nach herausfordernden Bauarbeiten und enormen Rückschlägen in Betrieb genommen. Einweihung und Eröffnung fanden erst am 12. Jänner 1964 statt. Aber was für ein Tag! Und welche Gäste. Ein Rückblick.

Das Wetter an diesem Sonntag war großartig. Die Ischgler Chronik meldet „herrliches Winterwetter“ an diesem „bedeutungsvollen Tag für Ischgl und das ganze Paznaun.

Das Programm begann mit einem Festgottesdienst in der Ischgler Pfarrkirche und wurde mit einem „Empfang aller Festgäste“ bei der Talstation der Silvrettabahn fortgesetzt.

 

Eröffnung und Einweihung der Silvrettabahn am 12. Jänner 1964.

Unter ihnen befanden sich nicht nur die heimischen Honoratioren wie Ischgls Bürgermeister Kurz, die Vorstände der Seilbahn AG Erwin Aloys und Rudolf Wolf und ihr Aufsichtsratspräsident Winfried Wörth, sondern auch Otto Probst, damals Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft – samt einem angemessenen Mitarbeiterstab.

Ehrengäste bei den Eröffnungsfeierlichkeiten.

Selbstverständlich kamen auch Landeshauptmannstellvertreter Kunst, mehrere National- und Landesräte, um die feierliche Stunde durch ihre Anwesenheit zu ehren.

„Der Werdegang dieser Bahn“, sagte Vorstand Erwin Aloys bei seiner Festansprache, „war ein Kreuzweg“. Er spielte damit auf die Schwierigkeiten bei Bau und Inbetriebnahme der Seilbahn an – und lobte die Zähigkeit der Ischgler, die nicht gezögert hatten, nach den Rückschlägen bei Bau und Testphase optimistisch zu bleiben und nicht die Flinte ins Korn zu werfen.

Dann traten zwei Schüler der Volksschule Ischgl auf und brachten ein Gedicht zur Aufführung:

„…weil mas da Fremda z’liab hat baut/ hat ma auf kann Kosta g’schaut/ Nu was halt grad am böschta sei/und wo ma as komotascht Platzli hei/dass es d’Lana mit derwischt/dass es mit z’weit vom Dörfli ischt/dass ma d’Station von weitum sieht/und dass es in d’r Sunna leit…“

Da war die Ansprache des Bundesminister vergleichsweise pathetisch: „Wenn nun die vollbesetzten Kabinen der kühn konstruierten Seilbahn den Weg nach oben nehmen, dann möge das ein glückbringendes Symbol für einen wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg aller Bewohner des Paznauntales und darüber hinaus des gesamten Tiroler Landes sein…“

Damit sollte der Minister recht behalten.

Anschließend, nach der Einweihung der Seilbahn durch Ortspfarrer Franz Haider, gab es im Hotel Madlein ein Festmenü:

Heilbutt, garniert in Aspik; Oxtailsuppe mit altem Sherry

Königinpastete, gefüllt; Spargel, Sauce Hollandaise

Ochsenlende, gespickt, in Rahmsauce, Preiselbeeren, Kartoffelbällchen, feines Gemüse

Zum Dessert schließlich: Malakofftorte und Kaffee.

Das Festmenü wurde, wie als Vorgeschmack auf die anbrechenden, besseren Zeiten, auf Seide gedruckt.