Die Teufelsplatte von Galtür

Das Paznaun ist eine historische Gegend, voller willder Geschichten über clevere Menschen, vorausschauende Handlungen, gute und böse Gestalten, und meistens ist auch der Teufel nicht weit. Zumindest nicht in den Sagen. Heute treibt er in Galtür sein Unwesen und holt sich eine verlorene Seele.

Vor vielen vielen Jahren stritten sich in Galtür zwei Bauern um eine schöne, saftige Wiese. Jeder der beiden bezeichnete sich als Eigentümer, und weil keiner der beiden nachgeben wollte, schritt die Gemeinde als Schiedsgericht ein, weil die Gemeinde ebenfalls rundherum Wiesen besaß. Die klugen Gemeindevorsteher wollten das Problem mit einem Wettbewerb lösen: Die beiden Bauern sollten sich auf einem Felsblock über der Wiese aufstellen und von oben herab einen Ring werfen. Wer von beiden den Ring am weitesten werfen kann, dem sollte die Wiese gehören. Und die Gemeinde ging sogar noch weiter: Wenn der Ring über die Wiese hinausgeworfen wurde, dann sollte dem Sieger der Teil der anderen Wiese gehören, den der Ring überflogen hat. Wenn der Ring aber gar nicht bis zur Wiese kam, dann würde die Wiese der Gemeinde gehören.

Die beiden Bauern willigten ein. Doch einer der beiden spielte nicht fair: Er rief den Teufel zur Hilfe und ging mit ihm einen bösen Pakt ein.

Als dann der Tag des Wettkampfs kam und die beiden Bauern und die Schiedsrichter der Gemeinde auf den Felsblock stiegen, da staunten sie nicht schlecht. Der Ring, den es zu schleudern galt, war mehrere Tonnen schwer – dafür hatte der Teufel gesorgt. Der eine Bauer konnte den Ring nicht einmal aufheben – der andere aber hob ihn auf und warf ihn. Er warf ihn so weit, dass er nicht nur die Wiese überflog sondern auch die ganze angrenzende Gemeindewiese. 

Der unterlegene Bauer und die Gemeindevertreter waren verblüfft, doch der Bauer, der mit dem Teufel paktiert hatte, rieb sich die Hände. Er war mit einem Schlag unermesslich reich geworden.

Doch lange konnte er sich über seinen Gewinn nicht freuen. Wie jeder, der mit dem Teufel paktiert, wurde auch er sehr rasch trübsinnig und griesgrämig. Er vereinsamte, hatte keine Freunde mehr und plötzlich alles Pech der Welt. Als wenige Monate nach dem Wettkampf ein großes Gewitter über Galtür hereinbrach, traf ein Blitz den Hof des Bauern. Alles ging in Flammen auf und als die Nachbarn kamen um den Bauern zu helfen, sahen sie nur noch, wie der Teufel den Bauern am Kragen packte, aus den Flammen hob und auf nimmer wiedersehen mit sich nahm. 

Als das Gewitter vorbei war sah man, dass nicht nur das Haus des Bauern zerstört war sondern auch seine Wiesen. Und da, wo früher der Bauer wohnte und pflügte, standen plötzlich große Steinplatten, die die Felder und Wiesen gänzlich unbenützbar machten. 

Foto: Vorarlberger Landesbibliothek, Sammlung Risch-Lau