DIESE CELEBRITY HAT ZIEMLICH VIEL KRAFT 

Sie ist 132 Jahre alt. Sie hielt eine Menge Rekorde. Sie passt sich auf kluge Weise den modernen Zeiten an. Und sie wird poetisch besungen, jedenfalls indirekt. Hier geht es zur ersten, großen Berühmtheit des Paznaun.

Die Trisannabrücke, oder, wie sie auch gern genannt wird, die Wiesberger Brücke, ist ein eindrucksvolles Bauwerk. Sie ist, was der Besucher vom Paznaun als erstes sieht, jedenfalls, wenn er den Kopf weit in den Nacken legt. Die Brücke ist 230 Meter lang und überspannt den Eingang zum Paznaun auf einer Höhe von 87 Meter.

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Die Brücke ist ein architektonisches Vermächtnis der Arlbergbahn. Als diese in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand, bedurfte es einer ganz besonderen Konstruktion, um den Talboden zu überspannen. An Bahnkilometer 80,3 Kilometer wurden mehrere Steinbögen von neun Meter Stützweite errichtet, über die in der Mitte eine 120 Meter lange, stählerne Stabbogenbrücke gespannt wurde. Damit war die Trisannabrücke viele Jahrzehnte lang die weitestgespannte Eisenbahnbrücke Österreichs.

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Die Brücke liegt zwischen den Bahnhöfen Pians und Strengen. Am östlichen Brückenkopf befindet sich Schloss Wiesberg, das durch den Hochstift Chur im 13. Jahrhundert erbaut wurde und sich sich heute in Privatbesitz befindet.

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Der Ort strahlt bis heute etwas Magisches aus, was sich zum Beispiel in der Volksdichtung niederschlägt. Ein unbekannter Textdichter schrieb diese Zeilen, zu denen der Kappler Lehrer Leo Eiter später die Melodie zum „Paznauner Lied“ komponierte:

„Dort wo Schloss Wiesberg hält die Wacht,
das Tal beschirmt in hoher Pracht,
wo die Trisanna schäumend rauscht,
der Träumer still das Tal belauscht,
der Bauer fromm im Weiler wohnt,
dort wird der Wandrer reich belohnt.
Dort hinten liegt’s Paznauner Tal.
(…)“

1923, als die Arlbergstrecke elektrifiziert wurde, bekam die Trisannabrücke eine fischbauchartige Unterkonstruktion eingebaut, um höhere Lasten tragen zu können: den sogenannten „dritten Gurt“. 1964 forderte der moderne Eisenbahnverkehr schließlich den Austausch des bestehenden Trag- werks. Die beauftragte Firma „Wagner Biro“ beschreibt den Tausch der Brücke als Pioniertat: „Auf einem neunzig Meter hohen Gerüst wurde die neue Fachwerkträgerbrücke komplett vormontiert und nach der temporären Einstellung des Fahrbetriebes auf der Arlbergstrecke über Nacht in nur elf Stunden in einem Stück in die Position der alten Brückenkonstruktion eingeschoben. Das alte Stahltragwerk wurde anschließend demontiert.“

Und damit wurde ein Anblick geschaffen, der die Besucher des Paznaun noch heute begrüßt – oder verabschiedet. Ja nachdem.