Ein neuer Marcel? Zu Besuch beim Schiclub Ischgl

Der Schiweltcup endet an diesem Wochenende. Beim Nachwuchs wird aber heftig weiter geraced — auch in Ischgl. Wir haben dem Schiclub Ischgl-Silvretta beim Kinder-Training zugesehen. Und einen alten Bekannten wiedergetroffen.

Fotos: MAx Kropitz

Oh ja, Sandro Kleinhans ist in seinem Element. Er steht auf dem Übungshang in Mathon, vor ihm stehen zehn, zwölf Kinder, alle haben Helme auf und Schienbeinschützer an, und alle sind sehr erwartungsvoll. Denn Sandro hat für sie einen Slalom ausgesteckt. Das Flutlicht leuchtet und lässt den Hang seltsam futuristisch ausschauen. Sandro hat über die Schulter noch seine Bohrmaschine mit dem überdimensionalen Bohrer hängen, mit dem er gerade erst die Stangen gesetzt hat.

„Habt ihr euch den Lauf genau angeschaut?“ fragt Sandro, „habt ihr gesehen, worum es geht? Es sind offene Tore und Kombinationen. Also, los geht’s, zeigt mir, was ihr könnt.“

Okay, Sandro sagt das natürlich nicht so hochdeutsch, sondern wie der echte Paznauner, der er ist, aber das ist nur am Rande wichtig, denn schon stoßen sich die Kids vom Schiclub Ischgl-Silvretta vom Start ab, einer nach dem anderen, und sie brettern durch die Tore, dass der Zuschauer am Hang nur sagen kann: „Bist du deppert…“

Zwischen sechs und zwölf Jahre sind die Kids alt, die heute mit Sandro trainieren, und sie nehmen das alle fix genauso ernst wie ihr Trainer. Sie trainieren vier mal die Woche, in den Ferien sogar täglich. Dazu kommen am Wochenende  die Rennen. Zahlt sich das aus? „Ja“, sagt Sandro: „Im Bezirk sind wir vom Schiclub schon vorne dabei, da kann sich der Skiclub Arlberg anhalten. Im Moment.“

Immer und immer wieder pressen die Kids durch den Lauf. „Heute geht es darum, aus den Kombinationen heraus zu beschleunigen und zwischen den Toren nicht zu rutschen“, hat Sandro gesagt.

Das klappt bei manchen besser, bei anderen wieder schlechter. Sandro rutscht den Hang runter, bei aussagekräftigen Passagen bleibt er stehen und fischt sich die Kids raus.

„Du machst zu viel mit dem Oberkörper“ sagt er dann, oder „du drehst die Hüfte zu sehr, die Hüfte muss stabil bleiben, nur dann kannst mit den Oberschenkeln arbeiten“. (Bitte wieder auf Paznaunerisch vorstellen, Anm.) Und hin und wieder filmt er die Kinder auch mit dem Handy, damit er ihnen zeigen kann, was er meint.

Sandro weiß, wovon er spricht. Er ist selbst jede Menge Rennen gefahren, außerdem ist er gerade amtierender Vizeortsmeister in Ischgl (Geschlagen nur von Raphael van der Thannen, der fährt aber auch Europacup-Rennen und wurde früher von Sandro trainiert, Anm. – hier gehts zu Raphaels Race-Bilanz in diesem Jahr). Sandro arbeitet im Winter als Schilehrer, und wie gut er selbst fährt und was er sonst so macht, das sieht man zum Beispiel hier.

Während des Trainings merkt man, wie viel Spaß Sandro an der Arbeit mit den Kindern hat (und wie sehr diese wiederum an seinen Lippen hängen). Und dass er mindestens vier Tage seiner Freizeit für den Club investiert, das sieht Sandro übrigens auch ein bisschen als Image-Arbeit für Ischgl.

„Stell dir vor, die Kinder kommen irgendwann ins Gymnasium, also raus aus dem Tal. Und dann hören und merken die Leute, dass die Kinder aus Ischgl kommen und gar nicht schifahren können. Das wäre ja peinlich für uns“.

Im Moment kann das jedenfalls niemand glauben. Denn in den Ergebnislisten bei den Rennen des Bezirkscups findet sich der Schiclub Ischgl-Silvretta derzeit fast immer unter den ersten Drei. Und zwar in jeder Altersklasse.