Ein Vehikel zur Freiheit

Echte Radfahrer rümpfen über E-Bikes die Nase. Sollen sie doch. Wir lieben sie, weil wir mit ihnen an Orte kommen, die wir sonst nie erreicht hätten. Auch im Paznaun.

Die Silvretta Hochalpenstraße ist eine Berühmtheit, und anders als andere Berühmtheiten ist sie das völlig zu Recht. Sie führt von Galtür nach Partenen ins Montafon, sie schlängelt sich in 34 durch die Alpen, jede von ihnen eröffnet einen neuen Blick, auf Gipfel und Hänge, in Täler und Mulden. Sie ist eine Berühmtheit, sie ist ein Ereignis, und für alle, die sie nicht im Auto oder am Motorrad sitzend erleben wollen, ist sie auch: eine gewaltige Herausforderung.

Man muss schon ordentlich weit gehen und ordentlich fest in die Pedale treten, um sie zu bewältigen. Für Anfänger ist das eindeutig nichts. Zumindest galt das, bis E-Bikes zu einem Massephänomen wurden. E-Bikes. Klar wurden die Räder, die einen Elektromotor eingebaut haben, lange ein bisschen belächelt. Echte Sportler brauchen so etwas natürlich nicht. Die gehen lieber weit über ihre Grenzen und riskieren ihre Gesundheit, statt auf eine vernünftige Zwischenlösung zu bauen.

E-Bikes muss man schließlich auch treten. Sie fahren nicht umsonst, aber dort, wo es wirklich steil wird, schaffen sie das, was man selbst nicht schafft. Und wenn es zu weit wird, ebenso. Sie helfen nach, sie helfen aus – mehr aber auch nicht.

Sie sind, wenn man es ein bisschen pathetischer sagen will, nicht irgendein Vehikel, sondern ein Vehikel zur Freiheit. Mit ihnen kann man zu Hütten fahren, die man zu Fuß niemals erreicht hätte. Man kommt zu Bergseen, deren Türkis man sonst nur von Bildern erahnen hätte können, zu Anhöhen, die einen ganz anderen Blick auf die Welt erlauben.

Und mit dem E-Bike kann man die Silvretta-Hochalpenstraße nicht nur bezwingen, sondern sie auch genießen. Sie ist schließlich nicht für die Schönheit der Straße an sich berühmt, sondern für die Blicke, die sie bietet.