EINS, ZWEI, DREI, VIELE: UNTERWEGS IM KONVOI

Wo ein Motorrad um die Kurve biegt, folgt fast sicher bald noch eines. Und mindestens noch eines. Motorradfahrer lieben es, in der Gruppe zu fahren. Warum eigentlich?

Aufsteigen und fahren, bis der Sprit ausgeht; den Gegenwind spüren und schlechte Songs in die Natur brüllen, weil’s eh niemand hört; stehenbleiben, wo es wunderschön ist, und weiterziehen, wann immer es gerade passt – wer ans Motorradfahren denkt, denkt an Freiheit. Nicht nur für Biker ist es genau das, wofür der Mythos Motorrad steht.

Ausgerechnet Motorradfahrer treten aber oft in Gruppen auf. Im Konvoi fahren sie die klassischen Ringstraßen der Städte entlang, einer nach dem anderen brummen sie auch kurvige Alpenstraßen rauf und runter, wie sie das zum Beispiel auch beim Top of the Mountain Biker Summit in den kommenden Tagen im Paznaun wieder machen werden.

Der Erste macht das Tempo und hat das Ziel im Auge, der Letzte behält den Überblick, was immer sich vor oder hinter ihm abspielt. Das Fahren in der Gruppe ist das Gegenteil von persönlicher Freiheit. Es geht um Zurückhaltung, ums Nachgeben, um Disziplin.

Und offenbar liegt genau darin der Reiz: Einfach mal nachfahren, einfach mal nicht jede Kurve ausreizen, nicht jede Gerade für etwas mehr Geschwindigkeit nutzen, bedeutet auch, dass mehr Zeit bleibt, um sich umzusehen. Die Natur zu genießen, fällt leichter, wenn einer schon den Weg kennt. Wenn einer schon weiß, dass sich nach der nächsten Kehre ein gewaltiger Ausblick bieten wird, oder welcher Umweg sich wirklich auszahlt.

Für ein bisschen Selbstaufgabe ist das alles kein schlechter Tausch. Und der Sound, den das Fahren in Gruppe mit sich bringt, ist sowieso noch eine ganz eigene Sache. Das Gefühl von Freiheit lässt sich da überhaupt nicht rausdenken. Das steckt da drin.