Fragen Sie Dr. Trisanna. Heute: Der Kreuzbandriss

Das Schnalzen des Kreuzbands ist ein Teil des Skisports. Leider. Für Hermann Maier gehört der Kreuzbandriss  zum „guten Ton für jeden Skirennläufer“. Was passiert eigentlich, wenn es passiert?

 Das menschliche Knie ist ein komplizierter Apparat. Es hat drei knöcherne Elemente, den Oberschenkelknochen, das Schienbein und die Kniescheibe. Die liegen nicht ganz deckungsgleich aufeinander, was verschiedene Dreh-, Streck- und Beugungsbewegungen möglich macht. 

Aber dadurch braucht es eben auch noch etwas, das die Knochen zusammenhält – und das sind die Bänder. Die zwei, die die Kniescheibe fixieren, sind die Kreuzbänder. Und sie liegen, wie ihr Name schon sagt, über Kreuz. 

Sie sind nur etwa 38 Millimeter lang und eigentlich ist es beinahe verblüffend, dass sie so oft reißen. Denn immerhin haben sie eine Reißfestigkeit von 2.000 Newton, was so viel ist wie bei einem handelsüblichen fünf Millimeter dicken Hanfseil. Warum schnalzt es also dennoch so oft? 

Dass der Fuß nun mal durch die Bindung am Ski fixiert ist, ist einer der trivialeren Gründe. Und auch Hobbysportler kennen den Moment, wenn der neue Carvingski ausreißt. Der Unterschenkel wird dabei gegen den Oberschenkel verdreht und das Kreuzband wird sozusagen zwischen den Knochen abgezwickt. 

Im Skisport nahmen die Kreuzbandverletzungen Anfang der 2000er-Jahre rasant zu. Das hat, glauben Experten, vor allem mit der Entwicklung der Carvingski zu tun. Sie haben das Skifahren für die breite Masse leichter gemacht: Weil sie stärker tailliert und kürzer sind als die langen Bretter, die man früher fuhr. Im Profi-Bereich sorgen sie vor allem dafür, dass engere Kurvenradien und Schräglagen möglich sind – es geht flotter in die Kurven, was den Druck und die Belastung auf das Kniegelenk deutlich erhöht. 

Und tatsächlich wird der alpine Skisport durch immer neues Material und immer härter präparierte Pisten immer schneller. Bei den Kräften, die beim Profisport auf das Knie wirken, helfen auch keine neuen Knieprotektoren – und keine in den Schnee gesprühten Striche an gefährlichen Passagen.

Sprünge können besonders tückisch sein. Kommen Skifahrer dabei in Rücklage, verlagert sich das Gewicht des Körpers bei der Landung nach hinten, während der Fuß weiterhin durch den Schuh fest am Ski fixiert ist. 

So braucht es oft nicht einmal einen Sturz, damit das Kreuzband durch ist.