VERKEHRS-VEREIN ISCHGL, SITZUNG 1

Datum: 3. Februar 1929. Ort der Veranstaltung: Gasthaus Sonne, Ischgl. Zahl der Teilnehmer: 25. Zweck der Zusammenkunft: Gründung des Verkehrsvereins. Im Klartext: An diesem Tag begann im Paznaun der organisierte Tourismus.

Die Entscheidung erfolgte einstimmig: Nach drei ausführlichen Referaten über Sinn und Zweck, dem Fremdenverkehr in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu widmen, stimmten sämtliche Anwesende im Gasthaus von Josef Aloys dafür, den „Verkehrsverein für die Gemeinde Ischgl (Ort Ischgl und Mathon) mit dem Sitz in Ischgl zu gründen.“

Erste Schritte waren schon in den Jahren davor erfolgt. Ein „Verschönerungsverein“ existierte bereits genauso wie ein provisorischer Verkehrsverein-Sportklub. Beide gingen in den neuen Verein über.

Der Originaltext aus dem Protokollbuch

Der neue Verein wurde ermächtigt, von seinen Mitgliedern Pflichtbeiträge einzuheben, die zur „Deckung der Erfordernisse für die Schaffung, Ausgestaltung und Haltung von Einrichtungen und Unternehmungen, die dem Fremdenverkehr dienen“ dienen sollten.

Konkret musste jedes Mitglied pro Jahr fünf Schilling in die Gemeinschaftskasse bezahlen – plus 50 Groschen für jedes angemeldete „Fremdenbett“. Dann wurde der erste Fremdenverkehrsausschuss gewählt, in dem Gastwirte, Privatzimmervermieter, Gewerbetreibende und Gemeindevertreter Einsitz nahmen. Von da an tagte der Verein regelmäßig, jeweils abwechselnd in Gasthäusern von Ischgl und Mathon.

Als erste Maßnahme einigten sich die frühen Touristiker darauf, „reizende Prospekte und einfache Fremdenzimmerlisten“ anfertigen zu lassen, „illustriert, mit kurzgefaßtem Text“.

Auch die Qualität der Bilder wurde verhandelt. Man einigte sich laut Protokoll auf „gute Aufnahmen von den Orten, markanten Bergen, Seen, Alpen etc.“ Für den Text gab es folgende Anregungen: Es „soll die allgemeine Lage und Höhe der Orte, die hohen Berge und Übergänge mit Höhenangaben, Ausflüge, Spaziergänge etc., die Preise der Pensionen und Fremdenbetten enthalten sein, sowie Bahn-, Auto- und Postanschluss.“

Dann einigte man sich auf den Preis für private Fremdenbetten. Man kam überein, dass eine Übernachtung zwei Schilling kosten sollte. Übernachtungspreise in den Gasthöfen und  Pensionen wurde den Wirten selbst überlassen.

Der erste Prospekt (siehe unten) erfüllte alle diese Kriterien. Er fügte Ischgl in die europäische Verkehrsspinne zwischen Basel und Budapest ein und warb für „Kleine Spaziergänge“, Tagestouren“ und Zimmer in der „Post“, der „Sonne“, dem „Goldenen Adler“, dem Gasthaus „Bodenalpe“ und dem „Rössle“ in Mathon.

Der Prospekt wurde im Kupfertiefdruck in der Druckerei Wagner in Innsbruck hergestellt. Auflage: 15.000 Stück. Die dafür fälligen 1000 Schilling waren die erste protokollierte Ausgabe des neuen Verkehrsvereins.

Der erste Fremdenverkehrsprospekt von Ischgl, 1929.