DIE SECHS GEHEIMNISSE DER MOOSBEERE

Wir lieben die Moosbeere, wie sie im Paznaun heißt, auch wenn sie viele andere Namen trägt: Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), wenn wir ihren Namen hochdeutsch aussprechen wollen, Blaubeere, Mollbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere, Schwarzbeere. Keine andere Beere trägt mehr Namen, kaum eine ist beliebter. Trisanna hat sechs Gründe, warum.

1 Erstens ist sie leicht zu finden. Sie wächst auf zehn bis sechzig Zentimeter hohen Zwergsträuchen, deren Blätter zwei bis drei Zentimeter lang sind und deren Früchte vom Juli bis in den September hinein zu finden sind. Jetzt, im Spätsommer, verfärbt sich das Laub des Heidelbeerstrauchs tiefrot und lädt uns ein: Kommt, holt euch meine Früchte.

2 Zweitens gibt es kaum eine Pflanze von so intensiver, blauer Farbe. Im Gegensatz zur Kulturheidelbeere, die nur in ihrer Schale blau ist, befinden sich die farbgebenden Anthodyane bei der wilden Moosbeere sowohl in der Schale als auch im Fruchtfleisch. Wir erinnern uns: Ein paar Moosbeeren verspeisen, und wir sehen aus, als hätten wir die letzten drei Stunden in eiskaltem Wasser gebadet. Ein echter Spaß.

3 Drittens müssen wir nicht zu hoch auf den Berg, um Moosbeeren zu pflücken. Sie kommen in den gemäßigten und nordischen Zonen Eurasiens vor, in Österreich etwa bis zu einer Höhe von 2350 Meter. Das ist zu Fuß bequem zu erreichen, jedenfalls fast überall.

4 Viertens lieben nicht nur wir die Moosbeeren. Im Winter sind ihre grünen Triebe wichtiges Futter für das Wild. Die Früchte werden auch von Auerhahn und Fuchs mit Vorliebe verspeist, und die Raupen zahlreicher Falterarten nutzten die Moosbeere als Futterpflanze.

5 Fünftens ist die Moosbeere gesund. Ihre getrockneten, reifen Früchte dienen genauso als Heildroge wie die getrockneten Blätter. In den Früchten sorgen Gerbstoffe und Anthocyanidine, Fruchtsäuren und Pektine für unser Wohlergehen, stützen die Verdauung und haben positive Auswirkungen auf unser Sehvermögen. Die Blätter werden in der Volksmedizin dazu verwendet den Blutzucker zu senken.

6 Sechstens lieben wir die Moosbeere, weil sie gut schmeckt. Außerdem wollen sie rasch verzehrt werden, weil sie sich – einmal gepflückt – nicht lange halten. Frische Moosbeeren, etwas Zucker und Milch sind beste Freunde, Moosbeernocken, Moosbeermarmelade, Moosbeereis und Moosbeerpalatschinken die besten Zeugen des süßsäuerlichen Wohlgeschmacks unserer Sommerbeere.

Das Thema wird in den nächsten Tagen vertieft.
Mit zwei Rezepten von Benjamin Parth.