Hier spricht ein Krampus!

Na, wart ihr auch alle brav? Besser wäre es, denn heute Abend beim 17. Ischgler Krampuslauf sind sie wieder los und treiben ihr Unwesen. Aber wer steckt eigentlich hinter den Masken und Kostümen, die uns das Schrecken lehren? Zum Beispiel er: Christian Jäger, 25, Skilehrer.

Christian, muss man heute Abend vor euch Angst haben, wenn man im vergangenen Jahr nicht so ganz artig war?

Ja, eigentlich schon. Der Nikolaus beschenkt die Guten und der Krampus bestraft die Bösen – das ist der Brauchtum. Und ja klar, belehren wir die Schlimmen eines Besseren.

Stichwort Brauchtum: Wie wichtig ist es, dass so etwas wie der Krampuslauf erhalten bleibt?

Das ist uns im Verein wirklich wichtig. Weil es ist ja so: Der Brauch mit den Krampussen wird gerade ein bisschen vereinheitlicht. Also da werden Perchten mit Krampussen vermischt und umgekehrt. Wir schauen, dass wir wirklich bei dem bleiben, was den Krampus immer ausgezeichnet hat. Und da geht es eben vor allem um die Kinder.

Man sagt ja, der Krampus hat so manch schlechtes Kind schon erziehen können.

(Lacht) Der Krampus ist tatsächlich manchmal so etwas wie eine Erziehungsmaßnahme. Das hat damals bei mir schon funktioniert, und das funktioniert auch heute noch.

Zum Beispiel wobei?

Da geht es um harmloses: Also ich habe schon öfter gehört, dass Kinder, die noch am Schnuller nuckeln, dem Nikolo und dem Krampus, die ja bei Hausbesuchen zusammen auftreten, den Schnuller geben und sich das an diesem Tag tatsächlich abgewöhnt haben.

Wie sieht es bei dir aus? Selbst vor dem Krampus Angst gehabt?

Natürlich, ich glaube jeder erschreckt sich, da gibt es keine Ausnahme. Aber wenn man öfter bei solchen Umzügen zuschauen war, gewöhnt man sich ein bisschen dran. Und vielleicht wird man dann, so wie ich, selbst irgendwann ein Krampus. Aber ja, auch ich hab mich als Kind gefürchtet, wir sehen ja auch wirklich gruselig aus.

Stimmt, wenn man an deine Maske denkt, schläft man sicher auch unruhig. 

Ich finde, der Grusel-Faktor liegt wirklich an den Details. Die Maske, die ich hier hab, ist eine handgeschnitzte Maske aus Zirbenholz mit ganz vielen Einzelheiten. Nach oben gibt es aber kaum eine Grenze – sowohl bei den Details, als auch beim Preis. (Anm. Eine Maske wie die von Christian kostet etwa ab 700 Euro aufwärts.)

Der Krampus ist der Böse, der Nikolaus der Gute. Warum will man eigentlich der Böse sein?

Also ich war bei ein paar Hausbesuchen auch schon der Nikolaus. Aber der Krampus ist schon der bisschen coolere Part. Da steckt man wirklich in einer Verkleidung, in der dich keiner erkennt. Da kann man dann eine richtige Rolle einnehmen – und sich auch ein bisschen gehen lassen.

Abschließend: Was habt ihr für heute alles geplant?

Für uns geht es wie jedes Jahr mit dem Nikolauszug bei der Kirche los, bei dem die Kinder beschenkt werden, dann Hausbesuche bei Familien, die sich gewünscht haben, dass wir bei ihnen vorbei kommen. Und gegen 20 Uhr machen wir uns beim alten Bauhof wieder fertig – von dort geht es dann los mit dem Zug bis ins Dorf zum Silvrettaplatz wo die Abschlussshow stattfindet. Krampuslaufen ist zwar wie Fahrradfahren – man kann es nicht verlernen und auch nicht neu erfinden – aber wir versuchen uns trotzdem jedes Jahr etwas Neues zu überlegen. Auch für heute haben wir uns wieder eine Kleinigkeit überlegt. Kleiner Hinweis: Es geht um einen Superstar. Mehr kann ich aber nicht verraten.


Christian Jäger, 25, ist seit sieben Jahren im Krampusverein aktiv. Im Winter ist er Skilehrer, im Sommer arbeitet er im elterlichen Betrieb, dem Hotel Jägerhof in Ischgl. 


17. Ischgler Krampuslauf
Wann? Mittwoch, 5. Dezember, ab 21 Uhr
Wer? Etwa 50 schaurig verkleidete Krampusse
Wo? Quer durch das Zentrum von Ischgl bis zum Parkplatz der Silvrettabahn