„INHABERIN DIESES KANN JEDERMANN BESTENS EMPFOHLEN WERDEN“

Die Dame ganz links auf dem Bild heißt Aloisia Lechleitner. Sie stammt aus Ischgl, ist zum Zeitpunkt der Aufnahme 27 Jahre alt und übt den Beruf der Kellnerin aus. Die adrette Kleidung gehört zur Uniform ihrer Profession – genauso wie das Arbeitsbuch, das weiter unten zu sehen ist. Dieses Buch erzählt eine ganze Geschichte des Tourismus der ganz frühen Tage.

Aloisia Lechleitner kam im Jahr 1883 zur Welt. Das Bild, auf dem sie mit zwei Berufskolleginnen zu sehen ist, zierte die Vorderseite einer Postkarte, die Aloisia an ihren Bruder Serafin sandte. Wortlaut: „Die herzlichsten Grüße von uns Drei. Wenn du nicht sagst, san dös drei nette, bist du a Schiacha – Luise.“

 

Alle Dienstnehmer in Beherbergungsunternehmen mussten sich zu dieser Zeit – knapp vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs – von der Gemeinde ein Arbeitsbuch ausstellen lassen. Darin konnten die Arbeitgeber ihre Eindrücke von der jeweiligen Mitarbeiterin, dem jeweiligen Mitarbeiter verewigen. Das Arbeitsbuch – unten zu sehen: jenes von Aloisia Lechleitner, ausgestellt am 18. Jänner 1898 – war auf deutsch und italienisch abgefasst, was den Schluss zulässt, dass das Gastgewerbepersonal schon damals wanderlustig war.

 

 

Zu dieser Zeit entstand in Ischgl ein Elektrizitätswerk, das mit dem Wasser des Fimbabaches gespeist wurde. Der Postbus – ursprünglich noch von Pferden gezogen – verkehrte einmal täglich auf der Strecke Landeck – Galtür – Ischgl. Im Sommer des Jahres 1912 erschien zum ersten Mal ein ausführlicher Fremdenführer unter dem Titel „Das Paznauntal und dessen Bergwelt“, verfasst von Hans Zangerl, der unter seinem Künstlernamen „Hans von der Trisanna“  bekannt war. Darin werden auf anschauliche Art, unterstützt von Bildern des Malers Mathias Schmid, die Vorzüge der Region darstellt.

Das Arbeitsbuch der Aloisia Lechleitner erzählt unterdessen eine kleine Geschichte des Tourismus dieser Zeit. Sie arbeitete zuerst beim Wirten Georg Müller in Sitz; bei der Wirtin Else Mauroner in Pians; beim Wirten Hauels in Zams; in der Kuranstalt Bad Obladis; im Gasthof Kassel in Oetz; ab 1910 in Kesslers Hotel Rössle in Gaschurn und im Alpengasthaus Fluchthorn.

Dort erhielt sie vom bekannten Bergführer Ignaz Lorenz die lobende Eintragung: „Inhaberin dieses hat sich in der Zeit als Kellnerin durch Treue, Redlichkeit und Fleiss die vollste Zufriedenheit erworben und kann jedermann bestens empfohlen werden.“

Galtür, 11. September 1910