MENSCHEN IM PAZNAUN: JOSEF WALSER, DER ARZT MIT VIELEN FRAGEN

Die Ausbildung zum Internisten schloss Jo 1986 in Zams ab. Er war dort als Oberarzt bis Anfang 1999 tätig. Im selben Jahr machte er sich mit einer eigenen Praxis in Imst selbständig, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2015 betrieb.

FOTOS: PHILIPP HORAK

Wie war das als Mathoner Bua, war da schon insgeheim der Wunsch vorhanden, „Doktor“ zu werden?
Nein, aber während des Theologiestudiums merkte ich, dass ich mit der damaligen Kirchenführung nicht im Einklang bin, und habe mich aus diesem Grund für das Medizinstudium entschlossen. Jetzt in der Pension bin ich aber dabei, das Theologiestudium abschließen.

Was ist das Besondere im Paznaun und im Speziellen in Mathon zu leben?Ich bin mit der Landschaft sehr verbunden. Obwohl ich sehr viel in der Welt unterwegs war, haben mich unsere Berge doch am tiefsten geprägt.

Ist das Paznaun eine Art Rückzugsgebiet für dich, nachdem du dein ganzes Berufsleben  außerhalb des Tals verbracht hast?
Da ich als geborener Paznauner schwerpunktmäßig immer in Mathon wohnhaft war, wird es wohl so sein.

In deiner Praxis hatte man immer das Gefühl, die Paznauner liegen dir ganz besonders  am Herzen. Sind deine Landsleute besonders treue Menschen, die ihrem Doktor Jo über die Jahre gefolgt sind?
Tatsache ist, dass der Großteil meiner Patienten Paznauner waren. Ich habe meinen Dialekt nie versteckt, vermutlich fühlten sie sich von mir verstanden, und waren überwiegend sehr treu.

Nach der Brustkrebserkrankung deiner Frau Martha habt ihr beide 2015 den Entschluss gefasst, gemeinsam nach Jerusalem zu wandern. Welche Motive  waren dabei ausschlaggebend?
Wir wollten gemeinsam auf längere Zeit frei und unabhängig sein. Dazu nahm meine Frau als Volksschulehrerin in Galtür ein Sabbaticaljahr. Ich hatte  gerade die Pension angetreten und wollte in Jerusalem für ein „unfallfreies“ Berufsleben Danke sagen.



Welche Rolle spielt für dich die Religion im Leben?
Eine ganz wichtige, allerdings habe ich dazu mehr Fragen  als Antworten.

Hat deiner Meinung nach der große wirtschaftliche Aufschwung in den letzten 20 Jahren die Menschen im Tal stark verändert bzw. geprägt?
Auf jeden Fall sehr verändert. Wir sind materiell sehr viel reicher geworden, ob uns diese Entwicklung aus menschlicher Sicht langfristig gut tut, wird sich zeigen.



Welche Wünsche hast du  für die  Paznauner Menschen?
Ich würde mir wünschen, dass der Reichtum im Tal nicht weiter einseitig verteilt wird, und deshalb zu sozialen Spannungen führt.


Dr.Josef“Jo“ Walser, geboren 1950 in Zams, aufgewachsen im Bauernwirtshaus Rössle in Mathon.  Als ältestes von sechs Geschwistern kam er mit zehn Jahren ins Missionsprivatgymnasium St.Rupert in Bischofshofen. Sein eigentliches Ziel war es, Pfarrer zu werden. Dort wurde Josef gegen die damals geringe Kinderbeihilfe aufgenommen. Nach der Matura studierte er zwei Jahre Theologie und wechselte 1972 zum Medizinstudium an der Uni Innsbruck. Von 1979 bis 1983  absolvierte er die Ausbildung zum praktischen Arzt im Krankenhaus Zams. Während seiner Facharztausbildung folgten im 1984 mehrere Auslandsaufenthalte in London, München und Wien.