DIE WUNDERBARE SILVRETTA-HOCHALPENSTRASSE. KEHRE FÜR KEHRE

Die Silvretta-Hochalpenstraße ist genauso wenig ein Geheimtipp wie das Kolosseum in Rom oder der Eiffelturm. Und zwar völlig zurecht – weil sie die Augen für die Alpen öffnet.

Es gibt Straßen, die die Welt bedeuten, und die bekanntesten dieser Straßen befinden sich in den USA. Sie heißen zum Beispiel Road 66 oder Big Sur, sie stehen für Einsamkeit und Freiheit und für eine Zeit, in der das Auto und auch das Motorrad wichtig für genau diese beiden Dingen waren: Für Einsamkeit und Freiheit.

Die Silvretta-Hochalpenstraße reiht sich in die Reihe der berühmtesten Straßen der Welt ein. Wer hier Einsamkeit finden will, muss allerdings sehr früh am Tag los, denn die rund 26 Kilometer lange Straße mit ihren 34 Kehren ist ein beliebtes Ausflugsziel. Und auch die Freiheit, die man hier findet, ist eine etwas andere.

Sie liegt nicht darin, dass der Horizont verschwindet, wie das in den amerikanischen Wüsten der Fall sein kann. Sie kommt aus den Blicken, die die Straße Kehre für Kehre freigibt. Einmal steht man quasi direkt vorm gigantischen Piz Buin, dann knallt einem das Türkis des Vermuntsees entgegen. Oben auf der Bielhöhle findet sich die große Kargheit der Alpen, aber mit jedem Meter, den man weiter runter ins Montafon kommt, wird der Wald dichter, nimmt die Anzahl der Blüten zu, die sich am Straßenrand präsentieren.

Steile Felswände und Gletscherfelder wechseln einander ab, manchmal tut sich ein tosender Wasserfall auf, mal blitzt durch das Dickicht am Wegesrand ein leises Bächlein durch. Und je nachdem, wie man den Blick wendet, gibt es Licht und Schatten, zeichnen sich die Wolken auf den Hängen ab oder hüllen sich Gipfel im Dunst.

Die vielleicht beste Art, sich über diese Straße zu bewegen, ist relativ neu. Mit dem E-Bike kommen aber jetzt auch jene Menschen halbwegs sportlich über die teils fordernden Steigungen, die auf einem Mountainbike keine Chance hätten, und nicht mit dem Auto oder dem Motorrad durch dieses gigantische Panorama fahren möchten.