Menschen im Paznaun: Alfred Siegele, Holzhandwerker

Alfred Siegele ist 63 Jahre alt, wohnt in Kappl. Früher war er Kranfahrer, doch seit er in Pension ist, macht er aus Holz Dekorationsstücke, die er in ganz Österreich verkauft. In Trisanna spricht er über die Ruhe der Berge, seine Kindheit in Kappl und wie der Tourismus die Region belebt hat. 


Alfred, wir stehen hier vor deinem Haus in Langesthei. Von hier oben hat man einen wunderschönen Ausblick, vor allem ist es wahnsinnig ruhig. Ist es dir manchmal zu ruhig? 
Nein, mir persönlich gefällt die Stille. Ich muss zugeben: Ich werde oft gefragt, wie ich es hier aushalte. Ich verstehe, dass diese Gegend für manche sehr rau wirken kann und natürlich möchte nicht jeder in den Bergen wohnen. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu leben. Ich bin sehr froh, dass es bei uns noch so ruhig geblieben ist. 

Man würde es heute gar nicht glauben, früher war ja im gesamten Paznaun nicht so viel los.
Ja, das stimmt. Es gab nicht viel, nur eine Straße, die durch die Ortschaft führte und am Berghang vereinzelt Häuser. Das war auch eine andere Zeit. Als Jugendlicher hatte man hier nicht viele Möglichkeiten. Nur jeder zweite konnte eine Lehre machen. 

Wie hast du diese Zeit in Erinnerung? 
Schön eigentlich. Alles war ein wenig genügsamer. Ich hatte zwölf Geschwister, da muss man eben bescheidener leben. Zwar hatten wir immer genug zu essen, aber eben nicht die Auswahl, die es heute gibt. Da konnte man nicht mal schnell in den Supermarkt spazieren, nein, das Essen haben wir mit unseren eigenen Händen gemacht. Heute scheint alles im Überfluss vorhanden zu sein. Damals hat man auch den Kleinigkeiten viel Wert beigemessen. Da war eine Wurstsemmel etwas ganz besonderes.

Das hat sich verändert, als das Paznaun zum Winterskigebiet wurde. 
Ja, der Tourismus hat alles verändert, es ging rasend schnell. In den siebziger Jahren kamen die ersten Gäste. Plötzlich gab es genug Arbeit für jeden.


Das heißt, du bist auch sehr froh über den Tourismus hier?
Ja, sehr. Wir leben davon. Ohne die Gäste wäre hier ja nichts los, es gäbe nicht so viele Straßen und viele wären schon längst weggezogen. Der Tourismus schafft das ganze Jahr über Arbeitsplätze. Im Sommer am Bau und im Winter beim Lift.
In Ischgl wird es im Winter schon mal ziemlich voll. Ist es dir manchmal zu überlaufen?
Ich mag es, wenn sich was tut im Ort. Es ist ja auch immer ganz spannend, wenn so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammen kommen. Im Sommer ist es ruhiger. Hier heroben in Langesthei sowieso.