MENSCHEN IM PAZNAUN: EMIL ZANGERL, OBMANN DER HEIMATBÜHNE SEE

Wenn Emil Zangerl, 58, aus See nicht im Innendienst der Tiroler Polizei arbeitet, steht er auf der Bühne. Die Schauspielerei ist seine Berufung, seit 29 Jahren tritt er regelmäßig im Theater in See auf. In Trisanna spricht er über Lampenfieber und warum die Paznauner lieber Komödien als Dramen sehen.

Emil, du spielst jetzt schon die Hälfte deines Lebens Theater, ist dir ein Ereignis besonders in Erinnerung geblieben?
Ja, das war zum 25-jährigen Jubiläum der Heimatbühne. Damals spielten wir das Stück „Sebastiani, ein Drama aus dem Paznaun“. Wir probten wochenlang dafür, die Aufführung war sehr emotional und unmittelbar nach der Premiere erklärte unser Spielleiter Alfred Tschallener, dass er das Stück selbst geschrieben hatte. Keiner wusste davon, nicht einmal ich. Da waren wir schon sehr gerührt.

Wieso hat er es erst nach der Vorführung bekannt gegeben?
Wir sollen so unbefangen wie möglich spielen und nicht das Gefühl haben, seinen Erwartungen an das Stück gerecht werden zu müssen, bloß weil er der Autor ist.


Kommen solche Stücke aus dem Paznaun bei eurem Publikum besonders gut an?
Freilich erhält man für ein Stück, mit dem man sich identifizieren kann, bessere Rückmeldung. Aber das muss nicht zwingend ortsgebunden sein. Ich denke, Theater berührt die Menschen überall. In Bezug auf das Genre sehe ich, dass dem Publikum eher Komödien gefallen.

Woran liegt das?
Die meisten Menschen wollen sich unterhalten, sie wollen lachen und nicht weinen. Das Leben bringt ohnehin genug Dramen mit sich. Wenn wir ein ernstes Stück spielten, kamen manchmal die Leute zu mir und baten mich, beim nächsten Mal doch wieder etwas Lustiges zu spielen.

Müsst ihr bei der Auswahl der Stücke solche Publikumswünsche berücksichtigen?
Wir tun es, aber nicht nur wegen der guten Kritiken, nein, beim Theater spürst du die Emotionen des Publikums auf der Bühne. Für mich besteht ein Stück nicht nur aus den Darstellern. Das Publikum ist ebenso Teil davon. In gewisser Weise spielt es mit.



Ihr spielt ja auch Klassiker, wie das aktuelle Stück „Thomas auf der Himmelsleiter“ oder „Don Camillo und Peppone“. Übersetzt ihr die dann in den Paznauner Dialekt?
Ja, wir sprechen Dialekt, auch im Theater. Der Großteil der Zuseher ist ja aus der Umgebung. Gleichzeitig versuchen wir Begriffe, die es nur im Paznaun gibt, nicht zu verwenden. Manchmal kommen nämlich auch Touristen.
Das See Theater spielt wöchentlich „Thomas auf der Himmelsleiter“ im Trisanna-See-Saal im Seer Gemeindezentrum. Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr, in manchen Wochen gibt es eine Zusatzvorstellung am Sonntag. Die genauen Termine gibt es hier. Tickets gibt es an der Abendkasse, sie kosten zehn Euro.