MENSCHEN IM PAZNAUN: HARALD SEIDLER, HERR DER SKIHÜTTEN

Harald Seidler ist 52 Jahre alt und Gewerberechtlicher Geschäftsführer der Gastronomiebetriebe der SSAG. Harald kommt eigentlich aus der Steiermark,  ist aber schon seit über 25 Jahren in Ischgl. In Trisanna denkt er darüber nach, was Heimat bedeuten kann, und erklärt, warum „Sorry“ oft die beste Antwort ist.

FOTOS: MAX KROPITZ

Harald, du bist in Tobelbad bei Graz geboren. Jetzt sitzen wir oben am Berg, genauer gesagt auf der Idalp in deinem Büro. Wie konnte das passieren?

Stimmt, eigentlich bin ich Steirer, das hört man auch noch. Ich habe Koch und Kellner gelernt und in Gleichenberg die fachliche Gastgewerbeschule gemacht. 1990 war dann hier in Ischgl die Assistenz der Geschäftsführung ausgeschrieben, und ich habe mich beworben. Es hat geklappt und jetzt, fast 30 Jahre später, bin ich immer noch da. Und sitze nach einigen Stationen im Unternehmen hier oben.

Du bist für alle Gastronomiebetriebe verantwortlich, die die Silvrettaseilbahn AG betreibt – das bedeutet für fast 300 Mitarbeiter. Gibt es einen Trick, wie man auch unter Druck gut miteinander auskommt?

Ich glaube, man muss jeden akzeptieren, wie er ist. Das habe ich immer gemacht und das erwarte ich auch – dann kommt man dann auch gut miteinander aus. Im Beruf und auch privat. Wenn man zu uns in die Silvrettaseilbahn AG kommt, ist man in einer guten Gesellschaft, in der man gute Unterstützung bekommt.

Ich habe gehört, du kannst auch ein harter Knochen sein. 

(lacht) Kann sein. Es ist so, dass mir Ehrlichkeit am wichtigsten ist. Es gibt nichts Schlimmeres als jemanden, der lügt. Es gibt da einen Spruch, der geht so: „Tu Recht und fürcht di net“. Ich finde, das trifft es genau.

Wie meinst du das?

Nehmen wir eine Situation her, die jedem passieren kann. Wenn ein Mitarbeiter kommt und sagt: „Du, Chef, ich bin gestern picken geblieben und habe verschlafen, sorry.“ Das ist mir viel mehr wert als jemand, der so tut, als wäre er krank.

Du bist jetzt seit fast 30 Jahren in Tirol. Ist Ischgl zu deiner Heimat geworden?

Die Verschmelzung mit Ischgl ist da, ja. Immerhin bin ich schon länger hier, als ich zu Hause war. Aber ich glaube, man kann noch so lange weg sein, wenn ich in die Steiermark fahre, fühlt sich das an wie heimkommen. Aber: Leben würde ich dort nicht mehr wollen.