MENSCHEN IM PAZNAUN: HEIKE MAYRHOFER, HÜTTENWIRTIN

Heike Mayrhofer ist 46 Jahre alt und die Wirtin des Almstüberls in Kappl. Mehr als die Hälfte des Jahres sieht sie das Tal nur von oben – direkt von der Piste aus. Im Gespräch mit Trisanna spricht sie darüber, wie einen der Beruf persönlich weiterbringt — und was der Berg mit dem Seelenwohl zu tun hat.

Heike, wenn man dich erlebt, kann man sich kaum vorstellen, dass du einmal in einem Büro vor einem Computer gearbeitet hast.

(lacht) Das kann ich mir vorstellen. Aber es stimmt – ich war Beamtin im Finanzamt. Aber ich bin irgendwann in die Gastro reingerutscht, hatte vor dem Almstüberl schon eine andere Hütte, und jetzt bin ich schon das siebente Jahr hier.

Was ist der Reiz der Gastronomie?

Einer der größten Reize war für mich immer die Psychologie. Wenn man so einen Job macht wie ich, dann schult man seine Menschenkenntnis. Und das tut man dann jeden Tag. Man lernt mit verschiedenen Stimmungen umzugehen, mit gewissen Situationen besser umzugehen. Die Arbeit hat mich persönlich  weiter gebracht.

Woran merkst du das besonders?

Ich habe gelernt, mit sämtlichen Charakteren – egal wie schwierig sie sind – gut auszukommen. Man muss auch verstehen: Es gibt Gäste, die irrsinnig gestresst sind, die, obwohl sie Urlaub haben oder gerade Freizeit, noch etwas mit sich herumtragen. Es ist wirklich schön zu beobachten, wenn sie bei uns runterkommen. Wenn sie entspannt wieder wegfahren von der Hütte.

Du sagst es, die Gäste fahren dann irgendwann wieder. Aber du bleibst da, übernachtest ja auch oben.

Stimmt, ich bin sieben Monate im Jahr hier zu Hause. Ich höre manchmal von Gästen, dass man sich bei uns wie zu Hause fühlt. Das Tolle ist ja, mein Zuhause ist es wirklich.

Wie fühlt sich das an, oben am Berg zu leben?

Der Ausblick, den man von hier hat, ist wirklich gut für die Seele. Hier kann man auch das Arbeiten genießen. Der Blick, die Luft, die Stille – es ist herrlich. Am Berg fühlt sich auch das Alleinsein besser an. Hier kann man gut zu sich selbst finden.