MENSCHEN IM PAZNAUN: MARGRET CIMAROLLI, OBFRAU IM THEATERVEREIN

Margret Cimarolli ist 73 und eine, wie sie sagt, waschechte Paznaunerin. Sie war über 20 Jahre lang Volksschuldirektorin in Ischgl und ist heute Obfrau des örtlichen Theatervereins. Mit Trisanna spricht sie darüber, warum Ischgl so gut funktioniert, wie es funktioniert, die Faszination Theater und erklärt, warum eine Kindheit am Land etwas Tolles ist.

Margret, du bist in Ischgl geboren und aufgewachsen, hast dann die meiste Zeit hier gearbeitet, daneben eine Gastronomie aufgebaut und zwei Kinder aufgezogen. Du kennst das Dorf also von allen Seiten – was macht es aus?

Ischgl ist, so ehrlich muss man sein, ein Geschäftsdorf, ein Volltourismusort. Aber Ischgl hat sich trotzdem seine Gemeinschaft bewahrt. Wenn es hart auf hart kommt, halten wir alle zusammen. Ich kann mich an ein Hochwasser erinnern, das wir nur so gut überstanden haben, weil wir gemeinsam angepackt haben. Außerdem funktioniert bei uns noch etwas, woran viele andere Orte scheitern.

Und zwar?

In den vergangenen Jahren sind auch viele Auswärtige gekommen, zu uns gezogen. Aber die fügen sich wirklich gut ein. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass wir viele Vereine haben. Und zwar solche, die funktionieren. Wir haben den Chor, die Schützen, die Feuerwehr und und und. Es ist einfach, sich bei uns zu integrieren.

Dafür braucht es aber auch das Engagement von vielen Beteiligten.

Genau so ist es. Bei uns gibt es glücklicherweise viele Leute, denen das auch wichtig ist und die sich um ganz viele Dinge kümmern, obwohl es dafür kein Geld gibt. Aber ich bin der Meinung, dass in einem Dorf jeder seinen Beitrag zur Dorfgemeinschaft leisten sollte. Und das geht ganz einfach über Vereine.

Du bist selbst Obfrau im Theaterverein. Wie kam es dazu?

Ich bin schon wirklich lange Mitglied. Seit 1981, um genau zu sein. Unsere erste Aufführung fand in einer Garage am Minigolfplatz statt. Die Sessel haben wir uns aus der Schule geliehen und wir haben „Der keusche Josef“ gespielt. Am Anfang haben wir eher bäuerliche Stücke gespielt, jetzt trauen wir uns teilweise auch an Anspruchsvolleres. „Biedermann und die Brandstifter“ zum Beispiel. Seit 2007 bin ich Obfrau, und es macht mir noch genauso viel Freude wie damals.

Was fasziniert dich daran, auf der Bühne zu stehen?

Ich spiele einfach gerne. Mir gefällt es, in eine Rolle zu schlüpfen. Aber von dem abgesehen sind wir eine sehr gute Gemeinschaft, wir sind Alte und Junge – und sitzen nach den Proben gerne einmal bei einem Getränk zusammen und haben eine nette Zeit.

Mit den ganz Jungen hast du ja als ehemalige Volksschullehrerin und -direktorin eine Menge Erfahrung.

Wenn ich über meine Heimat und die Kinder nachdenke, finde ich, dass man sich glücklich schätzen kann, wenn man hier aufwächst. Im Gegensatz zur Stadt haben wir keine Schlüsselkinder. Die Eltern sind da, auch wenn sie manchmal viel zu tun haben.