MENSCHEN IM PAZNAUN: MARKUS WALSER, VORSTAND SILVRETTASEILBAHN AG

Markus Walser ist 45. Er ist in Ischgl aufgewachsen und seit vielen Jahren Teil des Vorstands des größten Betriebs in der Region – der Silvrettaseilbahn AG. Mit Trisanna spricht er über Zielstrebigkeit, wie man Reaktionen auf unpopuläre Entscheidungen aushält. Und warum man nicht ganz so viel auf die geben sollte, die versuchen, vieles madig zu reden. FOTOS: MAX KROPITZ Markus, du bist mittlerweile seit einigen Jahren an der Spitze des größten Arbeitgebers der Region. Arbeitet man auf so eine Position aktiv hin? Jeder der mich kennt, weiß, dass ich sehr zielstrebig und konsequent bin. Ich habe die HTL für Elektrotechnik gemacht und habe dann berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Bei meinem damaligen Arbeitgeber war ich als junger Ingenieur für die technische Bereichsleitung von Seilbahnsteuerungen und Beschneiungsanlagen verantwortlich.
Das heißt: die Richtung war schon bei Berufseinstieg klar? Die Richtung, könnte man sagen, ja. Aber das Wie und Wo keinesfalls. Mein damaliger Chef war wie ein Mentor. Eigentlich wollten meine Frau und ich in Arzl schon ein Haus bauen, aber wenige Tage nach der Bauverhandlung hat mich der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Silvrettaseilbahn AG, der leider viel zu früh verstorbene Paul Wolf, zu einem Gespräch eingeladen. Und so nahm alles seinen Lauf.
Du wurdest 2001 Technischer Leiter und bist 2006 in den Vorstand aufgestiegen. Wie geht man mit so einer Verantwortung um? Ich hatte das Glück, dass mich Vorstand Eugen Zangerl in einige Bereiche – die für mich völliges Neuland waren – eingeführt hat und mich vor allem mein langjähriger Kollege Hannes Parth während unseren gemeinamen Vorstandsperioden immer sehr unterstützt und gefördert hat. Verantwortung hat natürlich immer eine bedeutende Relevanz – vor allem auch auf lokaler und regionaler Ebene. Ich behalte immer im Kopf, wofür das Unternehmen, das ich nun gemeinsam mit meinem Kollegen Günther Zangerl führe, steht und welche Bedeutung es hat. Die Silvrettaseilbahn AG erhöht mit ihrem Wirtschaften und ihrem Engagement die Lebensqualität in der Region, sie bietet Erholung sowie Arbeit, erzeugt Einkommen und fördert die Gemeinschaft. Mir ist es wichtig, dass durch unsere unternehmerischen Aktivitäten – auch die, die über das Kerngeschäft hinaus gehen – positive Effekte für unsere Gesellschaft und unsere Region entstehen. Und ich glaube, das ist so.

Als Chef muss man manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Fällt dir das schwer? Es ist ganz normal, dass manchmal unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Aber will man als Chef erfolgreich sein, muss man den Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen, ihnen Wertschätzung entgegen bringen, aber trotzdem eine respektvolle Distanz wahren. Es gibt da einen Spruch, den ich ganz passend finde: Mit einem guten Chef kann man Pferde stehlen, aber nicht Schlitten fahren.
Wenn du an die Zukunft denkst – was wünscht du dir? Mit der Zukunft sind für mich immer hohe Erwartungen und neue Herausforderungen verknüpft. Der Kern unseres Angebotes wird auch in Zukunft im Schnee liegen – zum Wintersport gibt es in unseren abgelegenen Seitentälern keine Alternativen. Unter diesen Voraussetzungen muss es deswegen unser Ziel sein, auch weiterhin Anlagen mit dem höchsten Komfort und bestmöglicher Schneesicherheit zu bieten. Die Silvrettaseilbahn AG gehört heute hinsichtlich Größe und Rentabilität zu den weltweit führenden Seilbahnunternehmungen. Leider wird der Tourismus von NGOs oft in ein schlechtes Licht gerückt und die Seilbahnwirtschaft madig gemacht. Es wird ein baldiges Aus des alpinen Wintertourismus herbeigeredet. Aber betrachtet man heute Ischgl, so stellt man fest, dass der Tourismus nichts kaputt macht, sondern – ganz im Gegenteil – positiv und belebend wirkt. Ich wünsche mir, dass es meiner Generation gelingt, das von unseren Vorgängern Geschaffene weiter auszubauen und zu stärken – und dass alle Gesellschaftsschichten vom Tourismus profitieren.