Menschen im Paznaun: Simon Otten, Holländer und Skilehrer

Simon Otten ist Chef des Kinderlands der Skischule Ischgl. Er ist Holländer, wenn er spricht, würde das aber niemand vermuten, so sehr tirolert er. Wir haben ihm ein bisschen zugehört. Simon! Ich hoff, es stört euch nicht, wenn ich im Dialekt mit euch rede, ich kann nämlich kein Hochdeutsch. In der Schule hab ich in Deutsch immer Fünfer gehabt, das mit einer, eine, eines, das hab ich nie verstanden. Verstehe ich heute übrigens noch nicht. Aber im Dialekt heisst das einfach „ane“, das kann ich. Kein Thema, es gibt viele, die das nicht so beherrschen, und du bist ja erst seit elf Jahren hier. Ja, elf Jahre. Ich konnte damals überhaupt kein Deutsch. In meiner ersten Saison und bei der Skilehrerprüfung hatte ich einen Zettel, auf dem hatte ich alle Phrasen draufstehen, die man so braucht. Aber ich hatte das Glück, dass ich schnell ein paar Kumpels gefunden habe, Einheimische, die haben mir ein paar Dinge gelernt. Tirolerisch zum Beispiel. Und auch ein bisschen Skifahren.
Was hat dich eigentlich ursprünglich nach Ischgl gebracht? Ich wollte zwischen der Matura und dem Studium ein Jahr als Skilehrer arbeiten, und bin dann einfach hängen geblieben. Warum Ischgl? Eigentlich Zufall. Ich kannte Ischgl nicht, habe mich im Internet damals umgesehen und ein paar Orte angeschrieben. Die Skischule Ischgl war eine der Skischulen, die mir zugesagt hat. Und vom allen Möglichkeiten, die ich damals hatte, fand ich Ischgl am besten. Da passt alles: Man kann super auf den Pisten fahren aber auch Super offpiste. Es ist was los im Ort aber man hat auch seine Ruhe wenn man will. Ich fand damals Ischgl als Gesamtpaket super, und ich finde es auch heute noch. Ich geh da nicht mehr weg. Mittlerweile träume ich deutsch und ich denke deutsch. Ich fühl mich hier zuhause.
Und die Ischgler sehen dich auch schon als Einheimischen? Sie fragen mich mittlerweile, wem ich gehöre, und wenn ich sage, dass ich ursprünglich Holländer bin, dann sagen sie: ah, du bist der. Sie kennen mich also. Aber ich mache auch viel. Ich bin in einigen Vereinen, ich spiele Fussball. Ich trainiere eine Kindermannschaft, ich gebe Tennisstunden. Und ich bin auch im Sommer hier, da arbeite ich in einer Bar. Eines interessiert uns aber immer noch: Wie kommt ein Holländer auf Ski? Solltest du nicht besser eisschnelllaufen? Oder Fussball spielen? Meine Grosseltern hatten ein Haus in Südtirol, ich war da immer in den Ferien, ich hab da also Skifahren gelernt. Aber natürlich hab ich dann in Ischgl noch ordentlich gelernt, erst für den Landesskilehrer, dann für den staatlich geprüften Skilehrer. Da haben mir dann Ischgler Freunde geholfen, Sandro Kleinhans zum Beispiel, der hat mir sehr geholfen. Und heute bin ich eben staatlich geprüfter Skilehrer, voriges Jahr war ich Tagessieger bei der Gastromeisterschaft. Also: Ich kann schon skifahren. Für einen Holländer fahre ich sogar recht gut. Und was machst du jetzt in der Skischule genau? Ich bin der Chef des Kinderlands. Ich teile die Kinder ein, teile dann die Lehrer zu. Ich überwache die Lehrer, sage ihnen, wenn sie etwas falsch machen. Das kann manchmal schon ganz schön anstrengend sein, vor allem in den harten Wochen wie Weihnachten, wenn wir dann 500 Kinder im Skikurs haben. Was braucht man, um ein guter Kinderskilehrer zu sein? Man darf vor allem nicht schüchtern sein. Wenn man schüchtern ist, dann kann man vielleicht Privatstunden geben oder Erwachsene unterrichten. Aber bei Kindern geht das nicht. Da muss man offen sein. Freundlich. Und Party für die Kinder machen. Aber das kann ich.