MENSCHEN IM PAZNAUN: STEFAN SIEGELE, OBMANN DES BERGFÜHRERVEREINS ISCHGL

Stefan Siegele ist 37, in Ischgl geboren und aufgewachsen, arbeitet als Ski- und Bergführer und ist seit zwei Jahren Obmann des Bergführervereins. Mit Trisanna spricht er über ein Gefühl des Glücks, das es für ihn nur am Berg gibt und erzählt, warum er wahrscheinlich niemals aus seiner Heimat wegziehen würde.

Stefan, du bist jetzt schon seit 17 Jahren im Verein dabei. Wie hat alles angefangen?

Ich habe Zimmermann gelernt – da ist man dann schwindlige Höhen schon gewöhnt. So bin ich zum Klettern gekommen. Ein Einheimischer hat mich dann so quasi mitgezogen auf die Berge und mich dann auch motiviert, die Bergführer-Prüfung zu machen. So bin ich dann auch zum Verein gekommen.

Und hast dich dazu entschlossen, auch beruflich in diese Richtung zu gehen.

Stimmt, ich war damals 20 und für mich war es dann ziemlich klar, dass es das ist, was ich machen möchte.

Wie ist das für dich, wenn du in den Bergen unterwegs bist?

Auch wenn es mein Beruf ist, schaffe ich es, dort die Hektik des Alltags hinter mir zu lassen. Man wird ruhig, vor allem innen drinnen. Der Kopf wird freier – die wichtigen Dinge werden einem viel mehr bewusst. Ich denke mir wirklich oft, wie glücklich ich mich schätzen kann. Ich meine: So viele Menschen müssen vor dem Handy oder dem Computer sitzen für die Arbeit, ich hab es da schon viel feiner.

Wobei auf einem Berg herumzuturnen sicher auch risikoreicher ist, als das Klicken auf einer Maus.

Das ist alles relativ. Natürlich ist beim Bergsteigen immer eine Art von Risiko dabei und jeder, der das intensiv betreibt, hat schon einmal irgendwie Glück gehabt. Aber zu hundert Prozent sicher ist man nie – egal ob oben am Berg oder wenn man nur über eine Straße geht.

Wie schaut es eigentlich mit dem Nachwuchs in eurer Runde aus?

Das ist tatsächlich ein bisschen ein Problem. Die Jungen gehen zwar gerne Skifahren, aber die wenigsten Touren und Bergsteigen, die sind momentan eher im Funpark unterwegs. Außerdem ist es sicherlich so, dass die Aufnahmeprüfung sehr schwer ist. Da ist viel Respekt da.

Wenn du von hier oben hinunterschaust auf das Tal – gibt es etwas, was dich von hier wegbringen würde?

Das glaube ich nicht. Ich bin hier aufgewachsen, ich habe hier Grund und Boden geerbt. Mein Arbeitsplatz ist hundert Meter von meiner Haustüre entfernt. Ich kann eigentlich ausschließen, dass ich jemals woanders hingehen werde.