Pro und Contra: Fahren, bis der Lift zusperrt

In ziemlich unregelmäßigen Abständen lassen wir hier jene großen Fragen des Skifahrens diskutieren, bei denen es keine drei Meinungen gibt. Heute: Soll man wirklich um 16 Uhr nochmals ganz nach oben fahren? Pro: Na ganz bestimmt! Um 16 Uhr 00 kann man lässig so tun als würde man den Liftwart nicht verstehen wenn er sagt „letzte Fahrt“. Um 16 Uhr 01 gibt es ganz bestimmt keine Wartezeit mehr am Lift. Um 16 Uhr 02 kann man sich auf dem Sechser-Sessellift sogar der Länge nach hinlegen und bis oben schlafen, (nein, kann an natürlich nicht, aber man könnte). Um 16 Uhr 03 kann man am Sessellift laut Musik hören und niemanden dabei stören. Um 16 Uhr 04 kann man sich am Sessellift ein Wurstbrot herrichten, ohne dass man jemand stört. Um 16 Uhr 05 kann man das Wurstbrot essen. Um 16 Uhr 06 kann man den Song von zuerst nochmal spielen, und dieses mal RICHTIG LAUT. Um 16 Uhr 07 kann man mitsingen. Um 16 Uhr 08 kann man draufkommen, dass man eine Minute den komplett falschen Text gesungen hat, weil der Song doch deutsch war und nicht englisch. Um 16 Uhr 09 kann man sich dann allmählich die Sonnenbrille herrichten. Um 16 Uhr 10 kann man sich auf die Piste werfen und sich freuen dass sie so frei und menschenleer ist wie sonst nur um 8 Uhr morgens. Contra: Auf gar keinen Fall! Wer immer bis zum letzten Lift fährt, bekommt zum einen ganz offensichtlich einfach nicht genug. Wer bis zum letzten Lift fährt, isst auch weiter, wenn er längst satt ist, zieht Hosen auch dann auch an, wenn sie längst stehen vor Dreck, und bleibt so lange in der Badewanne, bis er entweder zu zittern beginnt vor lauter kalt oder weil er schlafend unter Wasser gerutscht ist – oder beides. Wer immer bis zum letzten Lift fährt, hat zum anderen aber auch ganz offensichtlich davor nicht alles richtig gemacht, ist nicht jede Abfährt gefahren, als wäre sie die letzte, hat nicht in jedem Zwischenwettkampf sein bestes gegeben, um sich Kräfte für den stressigen Schluss aufzuheben, und hat vor allem nicht genossen, was sich da alles bietet an Landschaft und Himmel, an Luft und Gegenwind, all die Anregungen, die so viel besser sind als die unter Druck entstehende Aufregung, die sich um 15.55 zum Beispiel einstellt, wenn man noch ganz oben steht, aber noch eine Bergfahrt braucht, damit es sich für die letzte um 16.01 vielleicht doch noch ausgeht. Wer immer bis zum letzten Lift fährt, ist auch der erste, der um acht Uhr morgens schon beim Lift steht. Und feststellt, dass er noch eine halbe Stunde warten muss, bis es los geht.