Pro und Contra: Ist der Germknödel noch zeitgemäß?

In ziemlich unregelmäßigen Abständen lassen wir hier jene großen Fragen des Skifahrens diskutieren, bei denen es keine drei Meinungen gibt. Heute: Gehen Germknödel noch?

Pro: Und wie!

Klar kann man darüber streiten ob ein Germknödel noch Essen oder schon Spielzeug ist. Die Form, die auch nach 40 Jahren noch Assoziationen weckt. Die Konsistenz, die sich oft von einer Playmobil-Figur nicht wirklich unterscheidet. Und dann auch der Moment, in dem man versucht mit der Gabel in den Knödel zu stechen. In mindestens 50 Prozent der Fälle rutscht der Knödel auf der Butterunterlage nämlich dahin wie sonst nur ein springender Frosch aus dem gleichnamigen Kinderspielzeug. 

Ist so, kann man gar nicht bestreiten.

Aber trotzdem gehört er einfach dazu. Auf Skihütten ist man Germknödel, und zwar mit der gleichen unhinterfragten Selbstverständlichkeit wie man die heiße Schokolade mit Schlagobers verziert und dann, bevor man wieder auf die Piste hüpft, noch auf die Toilette geht.

Das war schon so als der Opa noch Skifahren ging. Und es war nicht alles schlecht beim Opa. 

Und schauen wir uns die Alternativen an. Pizza? Burger? Vielleicht sogar die Mischung aus beidem? Klar, das gibt es seit neuestem auch auf Skihütten. Aber wenn wir Pizza und Burger jetzt schon nicht mehr nur am Strand oder in der Stadt zu uns nehmen, sondern auch auf der Hütte, dann hieße dass ja im Umkehrschluss, wir müssten die Germknödel jetzt auch daheim oder beim Dorfwirt bestellen und das ganze Jahr über essen.

Und das wäre so eklig dass es wirklich niemand will.

Contra: Ganz bestimmt nicht!

Zuerst mal müssen wir hier eine Grundsatzfrage stellen: Kann eine Süßspeise überhaupt als echte Hauptspeise gelten? Die besteht schließlich grundsätzlich aus ein bis zwei Beilagen und einem Hauptbestandteil – in Österreich ist das traditionellerweise Fisch oder viel eher ein Stück Fleisch. Was wäre im Fall des Germknödels die Beilage? Die geschmolzene Butter oder die  lauwarme, klumpende Vanillesauce, in denen der Knödel oft ertränkt wird? 

Wohl eher nicht. Beides dient vor allem dazu, zu vertuschen, was man sonst spätestens merkt, wenn man in den Knödel beißt: Er hat in sehr vielen Fällen seine besten Zeiten schon hinter sich. Siehe auch Argumente für (!) den Germknödel als Skihüttengericht. 

Aber der Germknödel will trotz alldem eine Hauptspeise sein und wird absurderweise als solche akzeptiert. Nur sehr wenige Menschen essen ihn nämlich – wie für Süßes angebracht – als Dessert oder nachmittags zum Kaffee.

Das bedeutet aber nicht, dass alles, was neu zum Selbstbedienungssortiment von Skihütten dazukommt, immer gleich besser ist als das Althergebrachte. Denn natürlich gibt es Skihüttenklassiker, die immer gut waren und es immer bleiben werden. Eine einfache Portion Pommes mit Ketchup und Mayonnaise geht zum Beispiel immer. Und Pizza oder Burger auf einer Skihütte zu bestellen, wenn es Bernerwürstel gibt, das ist echt – pfuh.

Eine andere Frage sollten wir uns in diesem Zusammenhang übrigens mal grundsätzlich stellen: Wie hat es sich ergeben, dass wir beim Skifahren (einer durchaus sportlichen Tätigkeit) in Pausen fast nur Dinge essen, die nicht gerade Super Foods sind?