MENSCHEN IM PAZNAUN: ANTON, MATTLE, BÜRGERMEISTER IN GALTÜR

Jede Region wird von den Menschen geprägt, die sie bewohnen. Trisanna trifft den Bürgermeister von Galtür, Anton Mattle. Der Mann bewegt, bewegt sich, und fühlt sich aufgehoben in Gemeinde und Familie. Hier das Interview. Fotos von Philipp Horak.

 

Name
Anton Mattle

Alter
55, geboren in Zams

Wohnort
Galtür

Beruf
Unternehmer, Bürgermeister, Landtagsvizepräsident.

Familie
Verheiratet mit Daniela seit 1985. Sohn Philipp (geboren 1985), Töchter Sarah (geboren 1987) und Alexandra (geboren 1989),



Sie sind seit vielen Jahren Bürgermeister von Galtür. Welche Eigenschaften zeichnen Ihr Dorf aus?

Unser großer Optimismus. Oder unsere Zuversicht und die Erkenntnis, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Woher kommt dieser Optimismus?
Menschen werden auch von ihrer Umgebung geprägt. In den Jahrhunderten mit Armut haben die Menschen im Ort immer daran geglaubt, dass die Not einmal ein Ende nimmt und sind da geblieben. Es hat sich gelohnt, die Armut ist überwunden, der Optimismus ist geblieben.

Wie stark verändert sich das Leben in Galtür?
Merklich. Zum Beispiel gibt es kaum noch Frühschoppen, der früher für alle Männer ein Pflichttermin war.



Warum nicht?

Zum einen mag es die Arbeit sein, zum anderen, weil immer mehr Menschen die Familie in den Mittelpunkt stellen. Ich merke es an mir selbst: Ich freue mich auch, wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringen kann.

Aber geht das auf Kosten der Dorfgemeinschaft?
Nein. Galtür hat ein starkes Dorf- und Vereinsleben. Es gibt 30 Vereine, von den Sportvereinen über die Schützen bis zur Musik, der Bibliothek und dem Verein Alpinarium. Die Galtürerinnen und Galtürer sind gut miteinander vernetzt.

Was entsteht daraus für die Gemeinschaft?
Es entstehen Begegnungen und Freundschaften. Jeder trägt für die Anderen Verantwortung.



Kommen noch genug Menschen in die Musik (zur Musikkappelle)?

Acht Prozent der Bevölkerung. Das heißt, jeder zwölfte Einwohner ist bei der Musik. Die Musikkappelle freut sich über diesen Höchststand von Mitgliedern (64 MusikantInnen). Musikinteressierte werden bereits in der Volksschule angeworben und dann über Jahre ausgebildet. Höhepunkte im Musikjahr sind das Neujahrskonzert und das Frühjahrskonzert.

Rücken durch die bessere Infrastruktur und die neuen Medien auch die Dörfer im Tal enger  zusammen?
Ja, technische und digitale Mobilität erleichtert Kontakte und Freundschaften zu pflegen und sich zu organisieren. Beim Fußball treten wir mittlerweile sogar als Spielgemeinschaft Paznaun auf; beim Schisport gibt es Trainingsgemeinschaften. Der gemeinsame Tourismusverband und der Planungsverband auf kommunaler Ebene, sind herzeigbare Beispiele. Der erste große Schritt zu mehr Gemeinsamkeit im Tal, wurde vor fünfzig Jahren durch den Bau der Hauptschule für das ganze Paznaun, gesetzt.

Ein neues Gebäude, dem eine neue Volkschule zur Seite gestellt wurde.
Ja. Die beiden Gebäude stehen jetzt in einem guten architektonischen Spannungsfeld.

Bei der Leipziger Buchmesse wird ein Buch der Schriftstellerin Barbara Aschenwald mit Erzählungen, die hier entstanden sind, vorgestellt. Was ist der Hintergrund?
Wir haben Barbara Aschenwald, die ja bereits ihre Erzählung „Die Geschichten von den Lebenden und den Toten“ in Galtür angesiedelt hatte, zum 111 Jahr-Jubiläum des Verschönerungsvereins Galtür (Vorläufer des Tourismusverbandes) für zwei Monate hierher eingeladen. Sie hat Erlebtes und Erzähltes in einem literarischen Werk, in 11+1 Geschichten zusammengefasst. Mit dem Buch möchten wir den GaltürerInnen, unseren jetzigen aber auch den zukünftigen Gästen eine Freude bereiten und an den Beginn des organisierten „Fremdenverkehrs“ in unserer Gemeinde erinnern.

Barbara Aschenwald verklärt das Leben in Galtür nicht. Schwierig zu vermitteln?
Nicht unbedingt schwierig. Das Buch ist bewusst nicht autobiografisch. Es ist in spannender Sprache, ganz im „aschenwaldschen“ Stil geschrieben. „Lichter im Berg“ soll Lesebegeisterte ansprechen und wenn möglich auch für Galtür gewinnen.

Ist es schwierig, das Abwandern von Institutionen wie Post oder Banken zu stoppen?
Man muss sich bemühen. Es geht. Zum Beispiel haben wir als Gemeinde das Postamt übernommen, das wird sehr gut angenommen. Wesentlich ist, dass die entsprechende Dienstleistung weitestgehend erhalten bleibt. Jedes Geschäft das leer steht, ist eines zu viel. Mir ist natürlich bewusst, dass die neuen Technologien unsere Gegenwart verändern. Hand in Hand mit der Veränderung müssen wir das Bewusstsein für die regionalen Kreisläufe stärken.

Ihr Lieblingsausdruck auf Paznaunerisch?
Brinta (feuchter Nebel vom Bodensee)

Meine Lieblingsspeise?
Zwiebelrostbraten vom Tiroler Jahrling (aus der eigenen Landwirtschaft)

Von wem gekocht?
Frau Daniela

Lieblingsplatz im Paznaun?
Vergaltsch (Sonnberg oberhalb von Galtür)

Beschreiben Sie die Galtürer als Menschenschlag:
Tiefsinnig

Wenn Galtür ein Tier wäre: Welches?
Schneehuhn

Mit welchem Getränk stößt man auf die gelungene Saison an?
Enzner (Galtürer Enzianschnaps)

Lieblingsfarbe im Winter?
Blau

Das Skigebiet Silvapark in einem Wort?
Schifahren, dort wo Landschaft und Piste eins sind

Lieblingssprache während der Saison?
Galtürerisch

Wo finden Sie einen Moment der Ruhe?
In den Bergen

Lieblingslied mit Paznaun-Bezug?
„I am from Austria“ von Reinhard Fendrich
(Dezember 1999 Saisoneröffnungskonzert)

Wichtigstes Accessoire im Winter?
Mütze

Die beste Uhrzeit des Tages?
Sechs Uhr Früh

Die wichtigsten Veränderungen des letzten Jahrzehnts?
Persönlich: Dass ich vom Vater zum Großvater wurde.
Im Dorf: Galtür wird von den Bergen geprägt. Diese haben sich nicht verändert, und das ist gut so.