Der Prennerhang: Die Piste, die jeder kennt

Es gibt einen Hang, den garantiert jeder Skifahrer kennt, der einmal in Ischgl schifahren war: Den Prennerhang, das letzte Stück der Talabfahrt hinunter zur Pardatschgratbahn. Wenn man ihn spät am Nachmittag fährt, dann ist das vielleicht nicht immer ein Genuss. Dabei kann man auf ihm auch die spektakulärsten Leistungen sehen – heute Abend zum Beispiel.

Es gibt Menschen, die sagen: Am Prennerhang um 16 Uhr, da trennen sich Profis von Amateuren und Schifahrer von Schifliegern. Der Prennerhang um 16 Uhr, das ist nämlich wahre Brutalität, das ist natürliche Selektion. Selbst Menschen, die oben am Berg beidbeinig carven können, wurden hier schon beim Stemmpflug gesehen, und auf einen, der um diese Uhrzeit talwärts kurzschwingt, kommen drei Pizzaschnitten,  zwei Hosenbodenrodler und einer, der seine Schi lieber hinunter trägt. Mindestens.

Ja, man muss es so sagen: Genussschifahren, das geht anders. Der Prennerhang ist meistens pickelhart oder brutal eisig, und je später es wird, desto buckeliger wird er. Ab der Mittagszeit schiebt sich hier der Schnee zusammen, gegen 16 Uhr haben dann selbst mittelgroße Menschen schon das Gefühl, dass ihnen die Buckel bis weit über die Knie gehen. Vor allem jetzt im Frühling, wenn es wärmer wird und der Hang den ganzen Tag in der Sonne liegt, lässt sich das gar nicht vermeiden. Denn statistisch gesehen kommen knapp 50 Prozent aller Menschen, die in Ischgl skifahren, über den Prennerhang den Berg herunter – er ist das letzte Stück der Talabfahrt 1a. Über den Prennerhang kommt man zur Pardatschgradbahn der zur Fimbabahn, man  kommt zu den Hotels bei den beiden Seilbahnen und allen anderen Häusern am nördlichen Ortende und außerdem zum Tunnel, der einen zurück zur ParkingLounge oder zum Skibus bringt.

Es ist also wirklich viel los am Prennerhang, und das setzt der Piste dazu. Vor allem, weil es eine vergleichsweise selektive, steile Talabfahrt ist. An seiner steilsten Stelle hat der Hang ein Gefälle von 49 Prozent, im Schnitt immerhin noch exakt 30 Prozent, das ist mehr als ein normaler PKW bergauf schaffen würde. 573 Meter ist der Hang lang, dabei legt man eine Höhendifferenz von 155 Meter zurück.

Schigefahren wird hier schon lange, der Prennerhang wurde 1970 als Piste angelegt, nächstes Jahr feiert er also seinen fünfzigsten Geburtstag. Und der Prennerhang ist auch der Pionier der künstlichen Beschneiung in Ischgl: Schon 1982 wurde hier eine Beschneiungsanlage angelegt und mit einer Schneekanone ergänzt, ein Teil des Hangs kann seit damals also beschneit werden. Zum ersten Mal passierte das in der Saison 1983/1984 – es musste damals aber noch fünf Grad Minus haben, damit man die Anlage in Betrieb nehmen konnte.

Man könnte den Hang in der Theorie übrigens recht schnell runter fahren, ein paar Mal im Jahr passiert das auch – bei den Dorfmeisterschaften zum Beispiel, die die Ischgler traditionellerweise am Prennerhang austragen. Die Piste, die in dieses natürliche Stadion zwischen den Seilbahnen und den Hotels am Pistenrand hinuntergeht, eignet sich schließlich perfekt dazu: Nicht nur, weil sie beleuchtet ist, sondern weil man wirklich gut auf den Hang einsieht.

Aber das wissen wir natürlich – auch weil hier am Prennerhang die beliebte Demoshow der Skischule Ischgl stattfindet. Auch gestern war es wieder soweit. Hier ein paar Impressionen von unserem Fotografen Max Kropitz.

Das sind sehr spektakuläre Bilder und noch spektakulärere Stunts, die die Profis da in den Schnee zaubern. Wenn man es gestern verpasst hat. Man kann sich jeden Tag am Nachmittag zum Prennerhang stellen und die Piste hinaufschauen. Denn um 16 Uhr, da ist der Prennerhang eine natürliche Selektion zwischen Profis und Amateuren. Und das ist meistens große Unterhaltung.