DER SCHMUGGLER: GESCHICHTEN VON EMIL ZANGERL (4)

Emil Zangerl, 85, ist das Gesicht der Paznauner Schmuggler-Vergangenheit. Mehrere Jahrzehnte hat er Waren von der Schweiz ins Tal geschmuggelt. Auch auf Ski, und meistens dann, wenn es ganz dunkel war. In Trisanna erzählt er seine besten Geschichten. Heute: Das Mädchen und die freche Abfahrt.

FOTOS: NIKO HAVRANEK

„Einmal ist mir etwas Blödes passiert: Ich habe Butter nach Samnaun geschmuggelt und auf dem Weg sind mir die Bänder meines Rucksacks gerissen. Die Butter ist rausgekugelt, den Berg hinunter und war ganz verbeult und hat gar nicht mehr appetitlich ausgesehen. Heute würde jeder sagen: ‚Das kann man nicht mehr gebrauchen.‘ Aber ich hatte Glück.


Ein Mädchen, das bei dem Wirten gearbeitet hatte, steckte sie schnell ein – noch bevor jemand bemerkte wie schlecht sie beinander ist. Dafür hat es dann von mir eine Belohnung gegeben und ich bin mit ihr in Samnaun auf die Kirchweih gegangen. Beim Retourweg ins Paznaun habe ich dann noch 50 Stangen Zigaretten mitgenommen. Es war schon sechs Uhr in der Früh – also eigentlich schon viel zu spät. Immerhin war es schon hell.


Aber ich habe mir gedacht: Jetzt gehe ich auf alles – und bin denselben Weg gegangen wie die Touristen. Auf der Bodenalp in Ischgl ist ein Wirt vor seiner Tür gestanden, hat mich gesehen und nur gesagt: ‚Das ist doch ein Schmuggler, das habe ich noch nie gesehen. Wirklich frech!'“


Weitere interessante Anekdoten aus Emils Schmuggler-Vergangenheit gibt es demnächst hier im Trisanna-Magazin.



Über Jahrhunderte haben die Paznauner ihre Waren in Notzeiten ins schweizerische Samnaun gebracht und dort gegen andere Waren eingetauscht. Aber sie mussten auf der Hut sein: Es war nämlich ein Katz-und-Maus-spielen mit den Zöllnern. Dort, wo früher geschmuggelt wurde, gibt es heute übrigens drei grenzüberschreitende Skirunden.

Möchten Sie Emil Zangerls Weg in die Schweiz nachgehen? Dann hier entlang: Die Schmugglerrunde.