MENSCHEN IM PAZNAUN: BERNHARD SPERINGER, PFARRER

Bernhard Speringer ist 49 Jahre alt und seit sechs Jahren Pfarrer des Oberen Paznaun, also von Ischgl, Galtür und Mathon. Zu Weihnachten denkt er in Trisanna darüber nach, warum die Paznauner gläubiger und ganz sicher glücklicher sind als viele andere.

Sie sind seit sechs Jahren der Pfarrer von Oberpaznaun. Hat sich in dieser Zeit etwas verändert? 
Der Tourismus hat sich intensiviert und dementsprechend kommen auch immer mehr Touristen in die Messen. Aber ansonsten? Nein, nicht viel. Die Kirche hatte im Paznaun schon immer einen hohen Stellenwert, vor allem im Vergleich zum restlichen Österreich. Traditionen und Bräuche, die andernorts längst vergessen wurden, werden hier immer noch leidenschaftlich ausgelebt.

Welche zum Beispiel?
Wir haben viele Prozessionen, Messen und Feierlichkeiten. Christliche Feste wie das Erntedankfest, aber auch Allerheiligen und Allerseelen, werden hier noch erst genommen und aus dem Glauben heraus gefeiert.

Würden Sie sagen, dass Religion für die Menschen im Paznaun eine größere Rolle spielt? 
Das würde ich schon sagen. Man merkt das an der Wichtigkeit der Messen. Für mich als Pfarrer ist das natürlich sehr erfreulich, aber es bringt auch eine große Verantwortung mit sich.



Woran liegt das? 
Ich denke, dass die Menschen hier viele Schicksalsschläge hinnehmen mussten. Im Paznaun gab es immer Situationen, in denen Menschen alles verloren haben, ihr Haus, ihren Besitz, Familienmitglieder. In dieser Zeit spendet der Glaube immer sehr viel Kraft. Allein der Brauch, sich bei einem Todesfall tagelang zu versammeln, als Familie und Freunde des Hinterbliebenen zusammen zu beten, hat den Menschen geholfen. Generell: der Glaube und der Zusammenhalt der Paznauner gab viel Halt, um Schicksalsschläge zu überstehen. 

In einer Gemeinde, in der der Zusammenhalt – wie Sie sagen – sehr groß ist, ist es immer auch ein wenig schwerer, seinen Platz zu finden. Sie kommen ursprünglich aus Niederösterreich, sind also ein Zugereister. Wie wurden sie von den Paznaunern aufgenommen? 
Ich wurde sehr herzlich und gut aufgenommen. Natürlich merkt man, dass man nicht sofort Teil davon ist, das ist aber ganz normal. Ich würde das Paznaun mittlerweile als meine Heimat bezeichnen. Ob ich mich schon als Paznauner bezeichnen darf, das müssen die Paznauner selbst entscheiden. Was ich aber sicherlich weiß: ich bin sehr zufrieden hier und ich liebe meine Herde, jeden einzelnen.


Unterscheiden sich die Anliegen der Paznauner vom restlichen Österreich?
Ich denke, die Menschen haben weniger Probleme hier, auch weil sie zufriedener sind als zum Beispiel die Menschen in der Stadt. Sie sind zwar freundlich, aber sehr klar.

Wie meinen Sie das? 
Sie sind klar in ihren Meinungen und vor allem klar in ihren Überzeugungen. Sicherlich auch durch den Einfluss des Glaubens. Man steht hier stärker zu seinen eigenen Werten, zu sich und zu seiner Gemeinschaft. Und auch das, also der Zusammenhalt, ist eine zutiefst christliche Tugend.

Heute ist Christtag, möchten Sie den Paznaunern etwas mit auf den Weg geben? 
Ja, sehr gerne. Zunächst wünsche ich sehr schöne und besinnliche Feiertage. Folgenden Weihnachtssegen möchte ich mitgeben: 

Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden. Gottes Liebe wärme dich,
Gottes Gegenwart umstrahle dich, Gottes Geist möge in dir sein,
Gottes Kraft soll in dir wirken,
Gottes Zärtlichkeit soll dich beschützen, Gottes Frieden soll dich umgeben.