MIT DIESEM HEFT KÖNNEN SIE AUCH IM PYJAMA AUF DIE SCHÖNSTEN GIPFEL

Für alle, die ohne Gipfelerlebnis nicht leben wollen: Das vielleicht beste Magazin, das uns mit auf das große Abenteuer zwischen Felsen, Gletschern und Abgründen nimmt.

Der Berg fasziniert. Er lockt uns. Er zieht uns in seinen Bann. Der Weg hoch zum Gipfel ist manchmal denkbar einfach: Wir begeben uns zur Talstation der modernen Seilbahnanlage und lassen uns auf moderat beheizten Sitzen in die Höhe tragen, bis sich ein grandioses Panorama in unser Sichtfeld schiebt. Wir genießen die Aussicht. Wir genießen die spektakuläre Formenwelt der Gipfel und ihrer Abbrüche, das Hell und Dunkel von Bergen und Talschaften.

Aber es gibt auch ganz andere Methoden, sich den Blick in die Ferne zu erarbeiten. Während die Berge zur Sehnsuchtslandschaft vieler Städter und Flachländer geworden sind, geben sich immer mehr Menschen nicht mit dem einfachen Weg nach oben zufrieden. Klettern und Outdoorsport rücken ins Blickfeld von jungen und älteren Menschen, die das Bergerlebnis pur und unverfälscht genießen wollen.

Es gibt zahllose Berichte von Bergsteigern, die auf gefährlichen Wegen zum Gipfel ihrer Sehnsuchtsberge vorgedrungen sind. Die Regale der Spezialbuchhandlungen sind voll davon. Es gibt auch eine ganze Reihe von mehr oder weniger interessanten Zeitschriften und Journalen, die das Bergerlebnis zum Gegenstand haben.

Ein besonders interessantes Magazin trägt den Namen „All Mountain“. Es bezeichnet sich selbst als „Das außergewöhnliche Bergsportmagazin“ – und löst dieses Versprechen nicht nur mit dem knallgelben Cover ein, auf dem die notdürftig genähte Hand eines Kletterers zu sehen ist.

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„All Mountain“ ist eine Zeitschrift, die vom früheren Wettkampfkletterer Stefan Glowacz herausgegeben wird und Klettern als Phänomen, als Lebenshaltung begreift, als Ausgangspunkt einer speziellen, mit der Natur im Einklang stehenden Ethik. In „All Mountain“ – die hier besprochene dritte Ausgabe des Magazins hat als Generalthema „Spuren“ gewählt – geht es um große Themen. Der Münchner Journalist Dominik Prantl erörtert in seinem brillanten Aufsatz „Im Kopf durchsteigen“ das Suchtpotenzial des Kletterns: „Bergsport hebt nicht nur die Stimmung. Psychologen und Neurologen behaupten sogar: Berge machen schlau. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Doch in manchen Fällen können die Spuren, die Bergerlebnisse in der Psyche hinterlassen, auch schaden. Dabei stellt sich die Frage: Soll man die Finger von diesem Suchtmittel lassen?“

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Ein anderer Artikel beschäftigt sich mit den Spuren, die Menschen auf Berggipfeln hinterlassen und erörtert, „was Gipfelkreuze, Gipfelbücher und andere Relikte über Gipfelstürmer verraten“: eine Kulturgeschichte des Bergtourismus.

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Ein großes Porträt widmet sich dem erstaunlichen Kletterer Philippe Ribière, der trotz körperlicher Beeinträchtigungen Kletterprofi geworden ist. Ein besonders heikles Thema des aktuellen Bergsports greift der Bergschriftsteller Tom Dauer auf, wenn er vergangene Betrugsskandale aufarbeitet und darüber nachdenkt, wie die Ehrlichkeit im Bergsport sichergestellt werden kann.

„All Mountain“ ist ein kluges, fast nachdenkliches Magazin, gut geschrieben, elegant gestaltet und von einer so behutsamen Themenwahl, dass man das Heft gerne mehr als einmal zur Hand nimmt. Es ist sozusagen von Beginn an als Sammlerstück angelegt.

Bonustrack für alle Skifans: Die kurze Geschichte des Skisports, die eine interessante These ins Rennen schickt: „Die ersten Ski – älter als die Pyramiden“.

Leseprobe hier: Allmountain_3_leseprobe

All Mountain, am gut sortierten Kiosk, € 10,00